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Montag, 5. November 2012

Reginas Begegnung mit „Zwölf Stühlen“


Reginas Begegnung mit „Zwölf Stühlen“

Nach dem tollen Eröffnungsfilm der Werkschau der deutschen Regisseurin Ulrike Ottinger UNTER SCHNEE im Metropolis hatte ich am Sonntagabend die Gelegenheit, mir mit ZWÖLF STÜHLE einen weiteren Film der 1942 in Konstanz geborenen Filmemacherin, Fotografin, Hörspielautorin, Theater- und Opernregisseurin  anzusehen. 

Der Film ZWÖLF STÜHLE beruht auf dem berühmten russischen Roman mit dem gleichen Titel von Ilja Ilf und Jewgeni Petrow aus dem Jahr 1928. Ulrike Ottingers Film hält sich, soweit ich es beurteilen kann (ich habe den Roman niemals gelesen), relativ nah an der Vorlage und wartet mit, wie von Ottinger bekannt, wundervollen Bildern auf. Ottinger hat den Film in russischer und deutscher Sprache gedreht: Sämtliche Dialoge sind russisch (mit deutschen Untertiteln), der Off-Text ist deutsch gesprochen, was mir ausgesprochen gut gefallen hat. Hinzu kommen ausgezeichnete Schauspieler, wobei mir die Figur des smarten Ganoven Ostap Bender ganz besonders viel Freude bereitete. 

Herrlich war auch die Vermischung der eigentlichen Handlung im Russland nach der Oktoberrevolution mit einer teils neuzeitlichen Kulisse, durch die Statisten in moderner Kleidung des 21. Jahrhunderts schritten und beispielsweise Graffiti mit dem Batman-Konterfei an einer Wand prangte. Ein Film, den man eigentlich mindestens noch ein zweites Mal ansehen sollte, um noch mehr Anspielungen entdecken zu können. Leider hat das Metropolis-Kino ihn während der Werkschau Ulrike Ottingers nur einmal im Programm, so dass man auf eine spätere Chance hoffen muss, denn im Falle einer so großartigen 35mm-Kopie, in der der Film am Sonntag im Metropolis vorgeführt wurde, gibt es einfach überhaupt keine Alternative zur großen Kinoleinwand. Aber die gibt es ja ohnehin niemals. 

Mein Fazit: Ein wirklich beeindruckender und sehr vergnüglicher Film, genau das Richtige für einen trüben Novemberabend und mit 197 Minuten, die wie im Fluge vergingen, keineswegs zu lang. Auch wenn mir als Deutsche sicher einige Seitenhiebe auf das sowjetische System entgangen sein mögen, so konnte ich doch eine Menge des Spotts in dieser Gaunergeschichte genießen. Es ist wohl an der Zeit, endlich einmal den Roman zu lesen, den mir russische Schüler schon des Öfteren empfohlen haben.

 „Der Film ZWÖLF STÜHLE verknüpft in spektakulärer Weise die Dramaturgie einer Schatzsuche und Verfolgungsjagd mit einer dichten Bilderwelt von Personen und Orten. Er erzählt zugleich von gestern und heute, von der Realität der Menschen in den GUS-Staaten und vom Allgemeinmenschlichen unseres eigenen Handelns. Große gesellschaftliche Utopie vermischt sich so mit der individuellen Hoffnung auf das ganz persönliche Glück, sei es durchs Geld oder in der Liebe. ZWÖLF STÜHLE gelingt es, eine witzige, tragische und humane Welt zu zeigen: Sie ist immer zugleich großer Entwurf und zusammengeflickte Existenz.“
Text zum Film von Ulrike Ottinger

Die Werkschau Ulrike Ottinger läuft noch bis zum 27.11.2012 im Metropolis-Kino und es gibt noch einige andere Filme zu entdecken: Metropolis Kino Hamburg

(Eine begeisterte Regina)



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