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Donnerstag, 27. Juni 2013

#MetropolisKino Hamburg: Unsere Tipps für das Juli-Programm 2013


„Im Kino hebt man den Kopf, beim Fernsehen senkt man ihn.“ Jean-Luc Godard

Und das Programm des Metropolis-Kinos bietet auch im Juli viel Filmisches zum Nachdenken, Diskutieren, Erinnern, aber auch zum Genießen.

An unserem Kinoabend DaF: Deutsch als Fremdsprache – Deutsch als Filmsprache kommt am 17. Juli noch das Gruseln hinzu, beim schaurig-schönen Mystery-Thriller DU HAST ES VERSPROCHEN, dem Debütfilm der jungen Regisseurin Alex Schmidt. Der Lohn für ihre Arbeit war eine Einladung zu den Internationalen Filmfestspielen von Venedig 2012, wo DU HAST ES VERSPROCHEN seine Uraufführung erleben durfte. 

„Autorenfilm trifft Horror: Du hast es versprochen

Mit »Du hast es versprochen« ist Alex Schmidt zusammen mit ihrem Co-Autor Valentin Mereutza ein exzellenter Autorenfilm gelungen, der souverän mit allen Klischees des Genres Horrorfilm spielt und sie mit psychologischen Elementen vermischt.“ Kriminetz.de

Mehr zum Film inklusive Trailer gibt es hier in unserem Blogpost: Blogpost DU HAST ES VERSPROCHEN

Deutschsprachiges Kino aus der DDR zeigt das Metropolis im Juli mit acht DDR-Filmproduktionen aus den Jahren 1960 bis 1977 mit Armin Müller-Stahl, der mehrfach zum beliebtesten Schauspieler der DDR gewählt wurde. Im Programm des Metropolis sind u.a. NACKT UNTER WÖLFEN (1962) und DIE FLUCHT (1977). Die Termine der Vorführungen sind über den gesamten Juli verteilt. Heimat METROPOLIS

Für die Vorführung von Filmen in memoriam bieten sich im Juli-Programm gleich zwei traurige Anlässe.  Am 07. Mai dieses Jahres verstarb der Trickspezialist und Animationspionier Ray Harryhausen im Alter von 92 Jahren. Die von Harryhausen zur Perfektion gebrachte Stop-Motion-Technik war lange Zeit die bedeutendste Technik für Spezialeffekte in Filmen und wurde bis in die 80er Jahre eingesetzt. Das Metropolis zeigt fünf Filme, an denen Harryhausen mitwirkte, u.a. SINDBADS GEFÄHRLICHE ABENTEUER (USA 1973) sowie JASON AND THE ARGONAUTS (USA/GB 1963).
Ein kleines Ray-Harryhausen-Tribute kann man hier genießen. Auf ewig unvergessen bleibt wohl die Kampfszene der lebenden Skelette im Film JASON AND THE ARGONAUTS:

Mit Horst Königstein verstarb am 12. Mai ein weiterer Filmpionier. Zu Ehren Königsteins, der als Pionier des Doku-Dramas gilt, zeigt das Metropolis im Juli zehn Filme der britischen Schauspielerin Rita Tushingham in der RITA TUSHINGHAM-Werkschau. Königstein besetzte Rita Tushingham u.a. in den Filmen HARD DAYS, HARD NIGHTS (1989) und NÄCHTE MIT JOAN (1990). Beide Filme sind in der Werkschau enthalten. Eröffnet wird die Werkschau am 19.07. um 19.00 Uhr mit HARD DAYS, HARD NIGHTS. Rita Tushingham wird bei dieser und weiteren Veranstaltungen zu Gast sein. 

Die Zeitung JUNGE WELT am 18.05.2013 zum Tod von Horst Königstein: „Der gute Geist - Neue Sensibilität, ein Leben lang. Horst Königstein ist tot“

„Königstein fühlte sich wohl bei und in seiner Arbeit. Anders ist es nicht zu erklären, dass er den NDR nicht als träge, widerständige Institution, sondern so lange als nützliche Plattform aufgefasst hat. Davon gibt noch die Rede Auskunft, die er dort anlässlich seines Abschieds 2010, nach über 30 Jahren, hielt. Der NDR, rief Königstein dabei aus, sei »die letzte DDR auf deutschem Boden«. Er meinte damit nicht nur eine bestimmte Unbeweglichkeit, die Nerven kosten und Karriereschritte rückgängig machen kann, sondern ebenso einen Ort, der seinen künstlerischen Ansatz schützte. Am vergangenen Sonntag ist Horst Königstein mit 67 Jahren gestorben. Es lohnt sich, alle seine Filme anzusehen. Wirklich: alle.“

Am 05.07. um 19.00 Uhr zeigen Studierende der Medientechnik an der HAW Hamburg in sechs Kurzfilmen das Ergebnis des Kurses CAMERA ACTING unter dem Titel HOTEL MAKABURI. Und es klingt spannend. 

In Kooperation mit einer anderen Hochschule, der HfbK, bietet das Metropolis seit einigen Monaten DER AVANTGARDE DIE LEINWAND. Im Juli geschieht das gleich zweimal: Am 02.07. um 19.00 Uhr mit Barbara Lodens einzigem Spielfilm WANDA (USA 1970), einem sozialkritischem Drama und Roadmovie, Eine Filmbesprechung, die einen Besuch dieser Filmveranstaltung fast zwingend erscheinen lässt, gibt es bei der Filmzentrale: filmzentrale

Auszug: „WANDA, das ist kein verlogenes Aushängeschild irgendeines ideologisierten Feminismus. WANDA ist eher eine offene Wunde, die bis zum Schluss nicht verheilt.“

Am 09.07. gibt es unter dem Titel TRANSCENDENCE OF TRANSGRESSION vier Kurzfilme der Filmemacher Kenneth Anger (FIREWORKS, USA 1947), Richard Kern (YOU KILLED ME FIRST, USA 1985 + FINGERD, USA 1986) sowie Jack Smith (FLAMING CREATURES, USA 1963). Richard Kern ist der wohl bekannteste Vertreter des CINEMA OF TRANSGRESSION, das in seinen radikalen Filmen bewusst auf Schock, Provokation, Konfrontation setzt und in der Tradition von Filmemachern wie Kenneth Anger und Jack Smith steht.

Das Video zum Song DEATH VALLEY 69 der New Yorker Band SONIC YOUTH wurde von Richard Kern gedreht. Es ist nicht unbedingt jugendfrei …. 

„We propose that all film schools be blown up and all boring films never be made again.“ Nick Zedd im Cinema of Transgression Manifesto

Auch die Filmreihe DOKART ist im Juli wieder mit zwei Filmen vertreten:Am 03.07. um 21.15 Uhr mit DER GEWÖHNLICHE FASCHISMUS von Michail Romm (UDSSR 1965), der der Frage nachgeht, wie es zum Hitler-Faschismus kommen konnte. Der Film gilt noch bis heute als eine der zentralen filmischen Auseinandersetzungen mit dem Nationalsozialismus und dem Holocaust. Romm nutzte für seinen Dokumentarfilm historisches Bildmaterial aus zwei Millionen Metern Film, die 1945 von der Roten Armee aus den Beständen des Reichsfilmarchivs konfisziert worden waren.

Am 31.07. präsentiert DOKART Volker Koepps Film HERR ZWILLING UND FRAU ZUCKERMANN aus dem Jahr 1999, der sich dem Mythos Czernowitz,, einer Stadt im Westen der Ukraine, einst Zentrum jüdischer Kultur in der Bukowina, widmet.

Mehr zur Filmreihe DOKARTDokART

US-amerikanische Filme, deren Macher ab Ende der 60er Jahre antraten, um das traditionelle Hollywood-Kino zu modernisieren, laufen unter der Bezeichnung NEW HOLLYWOOD. Ihnen gemein ist eine gesellschaftskritische Grundhaltung und in ihrem Mittelpunkt stehen häufig Außenseiter, denen nur selten ein Happy End beschieden ist. Filmisch jedoch handelt es sich um exzellentes amerikanisches Autorenkino, dem das Metropolis im Juli einen angemessenen Raum bietet. 

Dabei ist auch Terrence Malicks Erstlingswerk BADLANDS aus dem Jahr 1973, über das die New York Times schrieb: „Badlands is a most important and exciting film“. Schön, diesen Film endlich wieder einmal auf der großen Leinwand sehen zu können! (Mehrere Termine Ende Juli)

Weitere Filme des NEW HOLLYWOOD im Juli-Programm des Metropolis: DIE REIFEPRÜFUNG (USA 1967, Regie: Mike Nichols), KID BLUE (USA 1973, Regie: James Frawley), MIDNIGHT COWBOY (USA 1969, Regie: John Schlesinger), FIVE EASY PIECES (USA 1970, Regie: Bob Rafelson), M*A*S*H (USA 1969, Regie: Robert Altman), KLUTE (USA 1971, Regie: Alan J. Pakula) sowie WHAT`S UP, DOC? (USA 1972, Regie: Peter Bogdanovich). Unter den Darstellern gibt es ein Wiedersehen mit u.a. Jane Fonda, Jack Nicholson, Donald Sutherland, Dustin Hoffman, Dennis Hopper und Martin Sheen. 

Unser letzter Hinweis gilt der Retrospektive  des Regisseurs, Autors, Produzenten und Schauspielers SEIJUN SUZUKI, dem exzentrischen Visionär des japanischen Kinos, der Filmemacher wie Quentin Tarantino und Jim Jarmusch beeinflusste. Das Metropolis hat zehn Filme Suzukis im Programm, darunter auch BRANDED TO KILL aus dem Jahr 1967, der Jim Jarmusch zu seinem Film GHOST DOG inspirierte. 

Das waren unsere Tipps für einen „heißen“ Kinomonat. Das komplette Programm des Metropolis-Kinos mit allen Terminen findet man hier: Heimat METROPOLIS

Wir wünschen viele wundervolle Kinostunden!


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