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Sonntag, 27. Oktober 2013

Schönes Deutsch: Verben, die den Genitiv fordern



Im heutigen Deutsch gibt es nur noch wenige Verben, die vom Genitiv regiert werden, der Objektsgenitiv ist also fast verschwunden. Einige Verben mit Genitiv sind jedoch noch erhalten geblieben und zählen gewöhnlich zur gehobenen Sprache (teils juristischer Sprachgebrauch). Und hier sind die meisten davon:

der Kriegstoten gedenken, vieler Erklärungen bedürfen, jeder Logik entbehren, seines Weges gehen, eines natürlichen Todes sterben

sich eines Navigationsgerätes bedienen, sich eines großen Erfolges rühmen, sich seiner großen Taten brüsten, sich seines schlechten Benehmens schämen (aber auch: sich für sein schlechtes Benehmen schämen), sich seiner Kleidung/seiner Pflichten entledigen, sich eines Kommentars enthalten, sich eines besonderen Erlebnisses/eines früheren Freundes erinnern (aber auch: sich an ein besonderes Erlebnis/an einen früheren Freund erinnern), sich einer Sache entsinnen, sich des Projekts/des Kindes annehmen, sich des Geldkoffers bemächtigen, sich einer Sache erbarmen, sich seines Wohlwollens vergewissern, sich bester Gesundheit erfreuen, sich einer Strafe entziehen

jemanden eines Besseren belehren, jemanden eines Bankraubs verdächtigen, jemanden des Mordes bezichtigen, jemanden der fahrlässigen Tötung beschuldigen, jemanden des Betrugs überführen, jemanden des Diebstahls anklagen, jemanden seiner Zukunft berauben, jemanden seines Amtes entheben, jemanden seiner Taten würdigen

sich seiner Schuld/seines Versagens bewusst sein, sich seiner Verantwortung/seines Fehlers bewusst werden

Unsere Filmtipps für das METROPOLIS Kino Hamburg im November 2013



Trist, trübe, nasskalt, sonnenarm: Er hat keinen allzu guten Ruf, der Monat NOVEMBER.

"November: Sie ist traurig, die Jahreszeit, darin wir stehen; man möchte glauben, dass das Leben mit der Sonne dahinschwinden wolle; ein Frösteln rinnt über die Haut und ins Herz; alle Laute verstummen; der Himmelssaum verblasst; alles sinkt, zum Schlafen oder zum Sterben" (Gustave Flaubert).

Damit der November-Blues gar nicht erst aufkommt, empfehlen wir den einen oder anderen Kinobesuch und geben Tipps für das abwechslungsreiche und keineswegs triste November-Programm des METROPOLIS Kinos.

In unserer Filmreihe DaF gibt es am 27.11. um 19.00 Uhr Lars-Gunnar Lotz` beeindruckendes Debüt SCHULD SIND IMMER DIE ANDEREN, ein Drama um Schuld, Sühne und Vergebung, das auch Hoffnung macht.

Regisseur Lars-Gunnar Lotz: „Mir war es wichtig, nicht von hoffnungslosen Fällen und gewalttätigen ‚Tieren’ zu erzählen, als die man jugendliche Straftäter häufig abstempelt. Vielmehr wollte ich zeigen, was es bedeutet, wenn man sich für sie einsetzt und dabei intensiv mit ihren Taten konfrontiert. Ich wollte eine Geschichte erzählen, die solche Jungs nicht aufgibt, sondern an sie glaubt.“
Mehr zum Film (inklusive Trailer) in unserem Blogpost
Und auch Festival-Freunde kommen im November im METROPOLIS auf ihre Kosten. Ganz besonders freuen kann man sich auf MAPLE MOVIES 2013: TALES OF THE TRUE NORTH und die wohl fast einmalige Gelegenheit, indigenes kanadisches Kino zu entdecken. Die Filmreihe DAS KINO DER INUIT wird am 01.11. um 19.00 Uhr mit Kurzfilmen indigener Filmemacher aus Kanada eröffnet und läuft bis zum 10.11. Unter den gezeigten Filmen befinden sich auch der Klassiker NANOOK, DER ESKIMO von Robert J. Flaherty aus dem Jahr 1921, der mit Klavierbegleitung gezeigt wird, sowie der packende Thriller ON THE ICE (USA 2011, Regie: Andrew Okpeaha MacLean).
Mehr Infos beim METROPOLIS Kino
MAPLE MOVIES 2013: TALES OF THE TRUE NORTH – Bitte nicht verpassen!

Am 06.11. werden die 4. GRIECHISCHEN FILMTAGE mit dem Film DER KLEINE PATE (Griechenland 2007, Regie: Olga Malea) eröffnet. Bis zum 14.11. hat das METROPOLIS insgesamt sechs Filme aus Griechenland im Programm. Dass der aktuellste Film in der Reihe aus dem Jahr 2010 stammt, ist hoffentlich kein Hinweis darauf, dass in Griechenland keine Filme mehr gedreht werden …. 


Alljährlich im November werden beim CINEFEST bekannte und vergessene Filmklassiker des deutschsprachigen Filmerbes präsentiert. Das diesjährige Festival steht unter dem Motto VERBOTEN! FILMZENSUR IN EUROPA und zeichnet vom 16. bis zum 24.11. wichtige Stationen der Filmzensur nach. 
Und hier gibt es den Programm-Flyer  zum umfangreichen und spannenden Filmprogramm

Im Rahmen des Cinefests wird auch der Film DAS MÄDCHEN AUS DER ACKERSTRASSE zu sehen sein, in dem der am 7. November 1888 in Hamburg St. Pauli geborene Schauspieler und Regisseur REINHOLD SCHÜNZEL mitwirkte und die Regie führte. Das METROPOLIS nimmt den 125. Geburtstag Schünzels zum Anlass, sieben weitere Filme unter seiner Mitwirkung vorzuführen. Man darf sich schon jetzt auf ein Wiedersehen mit Hitchcocks NOTORIOUS (USA 1946) in der Originalfassung (!) am 25. und 27.11. sowie mit der Verfilmung des Brecht-Klassikers DIE-3-GROSCHEN-OPER (D/USA 1930/31, Regie: Georg Wilhelm Pabst) am 1. und 2.11. freuen. Im letzteren Film spielt Schünzel den korrupten Polizeichef Tiger-Brown.  
Eine vollständige Filmografie Reinhold Schünzels gibt es beim Filmportal
Vom 28.11. bis zum 05.12.2013 findet das 3. DEUTSCH-RUSSISCHE KINOFORUM u.a. mit einer Retrospektive von A. Balabanov statt. Näheres zum Programm mit zwanzig neuen Filmen aus Russland finden Sie in Kürze hier Hamburger Kinoforum

Immer zu empfehlen ist die Reihe DokART, die auch im November zweimal vertreten ist. Jan Peters` Kunstprojekt NICHTS IST BESSER ALS GAR NICHTS am 12.11. um 21.15 Uhr sollte man sich dabei auf keinen Fall entgehen lassen. Der Film dokumentiert auf wundervoll humorvolle Weise unsere Vorstellungen vom Wert der Arbeit und des Geldes.

Gleichermaßen ansehenswert ist Florian Opitz` THE BIG SELLOUT aus dem Jahr 2007, den DokART am 26.11. ebenfalls um 21.15 Uhr zeigen wird. An vier Beispielen widmet sich Opitz dem Thema der weltweit zunehmenden Privatisierung von existenziellen Gütern wie Wasser, Strom, Mobilität und Gesundheitsversorgung und zeigt die dramatischen Folgen dieser Entwicklung auf. Erschreckend, aber lehrreich, und wir alle sind aufgerufen, uns damit auseinanderzusetzen, wie unsere Welt zukünftig aussehen soll, wenn uns wachsende Armut und Ausbeutung nicht gleichgültig sind und zukünftig noch für alle Menschen Wasser aus dem Hahn kommen soll.

Mehr zu DokART

Filmische Raritäten erwarten Sie im EINBLICK KAUKASUS mit den Filmen DAS UNVOLLENDETE TAGEBUCH am 13.11. um 21.15 Uhr (Aserbaidschan 2011, Regie: Rafik Gashimov), dem Essayfilm ZUSCHAUERRÄUME am 14.11. um 21.15 Uhr (D 2013, Regie: Marika Laupari, die auch zu Gast sein wird) und A TRIP TO KHARABACH am 15.11. um 17.00 Uhr (Georgien 2005, Regie: Levan Tutberidze).   

Unter dem Motto ZU GAST zeigt das METROPOLIS aktuelle Filme, bei denen (erwartungsgemäß) die Filmemacher zu Gast sein werden. Sollte es noch Filmfans geben, die das Gespräch mit den Regisseuren nach einer Filmvorführung bisher nicht wertschätzen gelernt haben, so bietet sich im November gleich dreimal die Gelegenheit, das Versäumte nachzuholen. Und zwar bei DRAMACONSULT (D 2013, zu Gast die Regisseurin Dorothee Wenner), COMING FORTH BY DAY (Ägypten 2012, zu Gast die Regisseurin Hala Lotfy und die Darstellerin Donia Maher) sowie MOI C`EST MOI (Schweiz 2011, zu Gast die Regisseurin Gabriele Schärer). Die Termine: 4.11., 15.11. und 26.11. jeweils um 19.00 Uhr.   

Wie immer geben unsere Tipps nur einen Einblick ins umfassende Programm des METROPOLIS. Ebenfalls beachtenswert sind im November die Filme in den Reihen BIZARRE CINEMA, FILMLAND POLEN (mehr auch  hier), UNIVERSITÄT HAMBURG sowie TÄTER – OPFER – WIDERSTAND mit dem Film DIE FEUERPROBE – NOVEMBERPOGROM 1938 (D 1998, Regie: Erwin und Vera Leiser) am 3.11. um 17.00 Uhr.
Zum kompletten Programm des METROPOLIS

Wir wünschen Ihnen einen schönen November und viele anregende, aber auch angenehme Kinostunden!  

Sonntag, 13. Oktober 2013

Gedichte über den Herbst



O du wunderschöner Herbst,
Wie du die Blätter golden färbst,
Deiner reinen Luft so klar und still,
Noch einmal ich mich freuen will.

Ich geh den Wald, den Weiher entlang;
Es schweigt das Leben, es schweigt Gesang,
Ich hemme den Schritt, ich hemme den Lauf
Erinnerungen ziehen herauf.

Erinnerungen sehen mich an,
Haben es wohl auch sonst getan.
Nur eins hält nicht mehr damit Schritt.
Lachende Zukunft geht nicht mehr mit.

Vergangenheit hält mich in ihrem Bann,
Vergangenheit hat mir’s angetan;
Den Blick in den Herbst, den hab ich frei,
Den Blick in den Herbst. Aber der Mai?

(Theodor Fontane)

Dies ist ein Herbsttag ...
Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!
Die Luft ist still, als atmete man kaum,
Und dennoch fallen raschelnd, fern und nah,
Die schönsten Früchte ab von jedem Baum.
O stört sie nicht, die Feier der Natur!
Dies ist die Lese, die sie selber hält,
Denn heute löst sich von den Zweigen nur,
Was von dem milden Strahl der Sonne fällt.

(Christian Friedrich Hebbel)
 
In trauter Verborgenheit
Ade, ihr Sommertage,
Wie seid ihr so schnell enteilt,
Gar mancherlei Lust und Plage
Habt ihr uns zugeteilt.

Wohl war es ein Entzücken,
Zu wandeln im Sonnenschein,
Nur die verflixten Mücken
Mischten sich immer darein.

Und wenn wir auf Waldeswegen
Dem Sange der Vögel gelauscht,
Dann kam natürlich ein Regen
Auf uns hernieder gerauscht.

Die lustigen Sänger haben
Nach Süden sich aufgemacht,
Bei Tage krächzen die Raben,
Die Käuze schreien bei Nacht.

Was ist das für ein Gesause!
Es stürmt bereits und schneit.
Da bleiben wir zwei zu Hause
In trauter Verborgenheit.

Kein Wetter kann uns verdrießen.
Mein Liebchen, ich und du,
Wir halten uns warm und schließen
Hübsch feste die Türen zu.

(Wilhelm Busch)

Herbst
Schon ins Land der Pyramiden
Flohn die Störche übers Meer;
Schwalbenflug ist längst geschieden,
Auch die Lerche singt nicht mehr.

Seufzend in geheimer Klage
Streift der Wind das letzte Grün;
Und die süßen Sommertage,
Ach, sie sind dahin, dahin!

Nebel hat den Wald verschlungen,
Der dein stillstes Glück gesehn;
Ganz in Duft und Dämmerungen
Will die schöne Welt vergehn.

Nur noch einmal bricht die Sonne
Unaufhaltsam durch den Duft,
Und ein Strahl der alten Wonne
Rieselt über Tal und Kluft.

Und es leuchten Wald und Heide,
Daß man sicher glauben mag,
Hinter allem Winterleide
Lieg' ein ferner Frühlingstag.
Die Sense rauscht, die Ähre fällt,
Die Tiere räumen scheu das Feld,
Der Mensch begehrt die ganze Welt.

Und sind die Blumen abgeblüht,
So brecht der Äpfel goldne Bälle;
Hin ist die Zeit der Schwärmerei,
So schätzt nun endlich das Reelle!

(Theodor Storm, 1817-1888)
 
Die Blätter fallen ...
Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.
Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.
Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.

(Rainer Maria Rilke)

Oktoberlied
Der Nebel steigt, es fällt das Laub;
Schenk ein den Wein, den holden!
Wir wollen uns den grauen Tag
Vergolden, ja vergolden!

Und geht es draußen noch so toll,
Unchristlich oder christlich,
Ist doch die Welt, die schöne Welt,
So gänzlich unverwüstlich!

Und wimmert auch einmal das Herz -
Stoß an und laß es klingen!
Wir wissen's doch, ein rechtes Herz
Ist gar nicht umzubringen.

Der Nebel steigt, es fällt das Laub;
Schenk ein den Wein, den holden!
Wir wollen uns den grauen Tag
Vergolden, ja vergolden!

Wohl ist es Herbst; doch warte nur,
Doch warte nur ein Weilchen!
Der Frühling kommt, der Himmel lacht,
Es steht die Welt in Veilchen.

Die blauen Tage brechen an,
Und ehe sie verfließen,
Wir wollen sie, mein wackrer Freund,
Genießen, ja genießen!

(Theodor Storm, 1817-1888)

Herbsttag
Herr, es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren lass die Winde los.
Befiehl den letzten Früchten, voll zu sein;

gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin, und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.
Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.

Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

(Rainer Maria Rilke)

Verklärter Herbst
Gewaltig endet so das Jahr
Mit goldnem Wein und Frucht der Gärten.
Rund schweigen Wälder wunderbar
Und sind des Einsamen Gefährten.

Da sagt der Landmann: Es ist gut.
Ihr Abendglocken lang und leise
Gebt noch zum Ende frohen Mut.
Ein Vogelzug grüßt auf der Reise.

Es ist der Liebe milde Zeit.
Im Kahn den blauen Fluß hinunter
Wie schön sich Bild an Bildchen reiht -
Das geht in Ruh und Schweigen unter.

(Georg Trakl, 1887-1914)