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Samstag, 25. Oktober 2014

Das METROPOLIS Kino Hamburg im November 2014 – Unsere Tipps



„Solchen Monat muss man loben:
Keiner kann wie dieser toben,
Keiner so verdriesslich sein
Und so ohne Sonnenschein!
Keiner so in Wolken maulen,
Keiner so mit Sturmwind graulen!“

Auszug aus dem Gedicht NOVEMBER von Heinrich Seidel. Das komplette Gedicht finden Sie unten. 

Und wir begegnen dem verdrießlichen November in unserer Filmreihe DaF am 12.11. um 19 Uhr mit der wohl besten deutschsprachigen Komödie des Jahres, mit Ralf Westhoffs WIR SIND DIE NEUEN. „Frisch, zurückhaltend, ein filmisches Juwel.“ Die Zeit 
Mehr Informationen zum Film und den Trailer finden Sie in unserem Blogpost zu DaF im November 2014.
Gleich am 1.11. startet das Filmprogramm von CHINA TIME 2014. Zur Eröffnung zeigt das METROPOLIS den Film THE LOVE SONGS OF TIEDAN (VR China 2012). Der Regisseur Hao Jie und die Schauspielerin Ge Xia werden zu Gast sein. Zudem gibt es als Vorfilm den Kurzfilm DOCTOR RAO, dessen Regisseure Whu Zhi und Alexey Tchernyi ebenfalls anwesend sein werden.
Im Rahmen von CHINA TIME 2014 werden bis zum 14.11. insgesamt neun Langfilme und noch mehr Kurzfilme zu sehen sein. Dabei ist u.a. auch der diesjährige Berlinale-Gewinner FEUERWERK AM HELLLICHTEN TAG am 4. und 5.11. Weiteres zum Programm entnehmen Sie gern der Themenseite des METROPOLIS.
Das komplette Programm von CHINA TIME 2014, das neben den Filmvorführungen auch Ausstellungen, Konzerte, Vorträge, Lesungen, Theater u.v.m. bietet, können Sie hier einsehen.

Am 6.11. startet mit der BRASILIANISCHEN FILMWOCHE eine weitere Länderreihe. Anlässlich des 50. Jahrestages des Sturzes der demokratischen Regierung Goularts durch das Militär findet in Hamburg das Internationale Symposium „Ditadura e Memória Cultural no Brasil“ statt (7./8.11.2014), in dessen Rahmen das METROPOLIS in Kooperation mit dem Institut für Romanistik der Universität Hamburg bis zum 13.11. sechs Filme aus den Jahren 1967 bis 2013 zeigt, darunter auch Glauber Rochas ANTONIO DAS MORTES (Brasilien 1969) am 11. und 13.11. jeweils um 17 Uhr. Die weiteren Filme und Termine finden Sie auf der Themenseite des METROPOLIS.
CineGraph, das Hamburgische Centrum für Filmforschung, veranstaltet alljährlich im November das CINEFEST: FESTIVAL DES DEUTSCHEN FILM-ERBES. Thematisch geht es beim diesjährigen Festival um NEUE WEGE IM DOKUMENTARISCHEN unter dem Titel GEGEN?ÖFFENTLICHKEIT! Zur Veranstaltung gehört auch der Internationale Filmhistorische Kongress. Das Filmprogramm läuft vom 15.11. bis zum 23.11. im METROPOLIS und bietet diverse Klassiker, die mit dem Thema der gesellschaftlichen Umbrüche in den 1960er Jahren befasst sind, als auch aktuellere Filme, die Probleme des Kapitalismus unserer heutigen Zeit wie Globalisierung und Finanzkrise darstellen. Darunter Peter Kriegs SEPTEMBERWEIZEN (1980) und WORKINGMAN’S DEATH (2005) des im April dieses Jahres verstorbenen österreichischen Regisseurs Michael Glawogger. 
Weitere Highlights: Am 23.11. um 14.30 Uhr zeigt das CINEFEST in Kooperation mit Bizarre Cinema den Film OVERLORD (GB 1975, Stuart Cooper), der stilsicher eine Spielhandlung um die Erlebnisse eines jungen englischen Rekruten im Frühjahr 1944 mit historischem Filmmaterial aus dem Imperial War Museum über die Vorbereitungen auf die Invasion in der Normandie kombiniert. 
Am 22.11. um 19 Uhr: IT HAPPENED HERE, die fiktive Geschichte über ein von den Deutschen besetztes England im Zweiten Weltkrieg. Der Oscar-Preisträger Kevin Brownlow wird seinen Film selbst präsentieren.
Programmflyer des Cinefests als PDF-Datei 



Kevin Brownlow hat auch die Retrospektive KRIEGS-SPIELE unter dem Motto „Was wäre wenn?“ mit englischen Filmen kuratiert, in denen ein fiktiver, alternativer Verlauf des Zeiten Weltkrieges durchgespielt wird, im METROPOLIS vom 24. bis zum 26.11. zu sehen.

Ein interessantes neues Programmformat ruft das METROPOLIS im November mit KINELAB HAMBURG ins Leben, das Filmschaffenden, Filmwissenschaftlern und Programmkuratoren aus Hamburg und unkonventionellen und experimentellen Filmen eine Plattform bietet. Abgerundet werden die jeweiligen Veranstaltungen durch Gespräche mit fachkundigen Gästen. Den Auftakt der Reihe bildet am 11.11. um 21.15 Uhr der Film KLASSENVERHÄLTNISSE von Danièle Huillet und Jean-Marie Straub (BRD 1983), am 25.11. folgen, ebenfalls um 21.15 Uhr, drei experimentelle Kurzfilme von Werner Nekes aus den Jahren 1967/1968.   

In der Reihe KINOFILMGESCHICHTE geht es im November um den Russischen Film, gezeigt wird Dziga Vertovs DER MANN MIT DER KAMERA (UDSSR 1929) am 10.11., sowie um den Französischen Film am Beispiel L’ATALANTE von Jean Vigo (F 1934) am 24.11. Ausführliche Einführungen und anschließende Filmgespräche helfen die Filme filmhistorisch und stilistisch einzuordnen.

Erneut äußerst interessant dürfte das Programm von SOULFOOD CINEMA unter dem Titel SOULFOOD WASTE werden. Am 2.11. können Sie um 17 Uhr den Film AUF DER KIPPE (D 1997) sehen, der das Leben und Sterben einer Zigeunersiedlung am Rande einer Müllkippe der rumänischen Stadt Cluj zeigt. Der Regisseur Andrei Schwartz wird zu Gast sein. Eine Besprechung des Films finden Sie bei der Filmzentrale.

Weitere Programmpunkte, die wir Ihnen ans Herz legen möchten, sind die Reihe dokART, die sich dem künstlerischen Dokumentarfilm verschrieben hat, sowie FILMLAND POLEN, das Festival des Neuen Polnischen Films, im November mit dem aktuellen Film FLOATING SKYSCRAPERS (Polen 2013, Regie: Tomasz Wasilewski), ANIMATION – MEISTERWERKE AUS POLEN (FILMLAND POLEN für Kinder und ihre Eltern) und einer Retrospektive des bedeutenden polnischen Regisseurs Krzysztof Zanussi vertreten.
Hier gelangen Sie zu den Webseiten von dokART und Filmland Polen.

Und last but not least sollten Sie der Filmreihe BIZARRE CINEMA den einen oder anderen Besuch abstatten. Im November zu sehen: NIGHTWATCH (DK 1994, Regie: Ole Bornedal – sehr empfehlenswert!), DER BUCKLIGE VON ROM (Italien 1960, Regie: Carlo Lizzani), OVERLORD (GB 1975, Regie: Stuart Cooper) und ICH WERDE LAUFEN WIE EIN VERRÜCKTES PFERD (F 1973, Regie: Fernando Arrabal). BIZARRE CINEMA ist jeweils sonntags um 14.30 Uhr am Start und zu allen Filmen gibt es fachkundige Einführungen.  

Das November-Programm des METROPOLIS bietet allerdings noch viel, viel mehr. Entnehmen Sie die Programmpunkte sowie die einzelnen Filme und Termine gern der Themenseite des Kinos.

Und wir wünschen Ihnen viele schöne und anregende Kinostunden und einen November, der fröhlicher ist als sein Ruf!

NOVEMBER
Solchen Monat muss man loben:
Keiner kann wie dieser toben,
Keiner so verdriesslich sein
Und so ohne Sonnenschein!
Keiner so in Wolken maulen,
Keiner so mit Sturmwind graulen!
Und wie nass er alles macht!
Ja, es ist 'ne wahre Pracht. 

Seht das schöne Schlackerwetter!
Und die armen welken Blätter,
Wie sie tanzen in dem Wind
Und so ganz verloren sind!
Wie der Sturm sie jagt und zwirbelt
Und sie durcheinanderwirbelt
Und sie hetzt ohn' Unterlass:
Ja, das ist Novemberspass! 

Und die Scheiben, wie sie rinnen!
Und die Wolken, wie sie spinnen
Ihren feuchten Himmelsthau
Ur und ewig, trüb und grau!
Auf dem Dach die Regentropfen:
Wie sie pochen, wie sie klopfen!
Schimmernd hängt's an jedem Zweig,
Einer dicken Thräne gleich. 

O, wie ist der Mann zu loben,
Der solch' unvernünft'ges Toben
Schon im Voraus hat bedacht
Und die Häuser hohl gemacht!
So, dass wir im Trocknen hausen
Und mit stillvergnügtem Grausen
Und in wohlgeborgner Ruh
Solchem Greuel schauen zu!
(Heinrich Seidel)

Mittwoch, 22. Oktober 2014

Dokumentarfilm ZEIT DER NAMENLOSEN


Dokumentarfilm ZEIT DER NAMENLOSEN von Marion Leonie Pfeifer über Zwangsprostitution verbunden mit Menschenhandel in der EU am 21.10.2014 im METROPOLIS Kino Hamburg.  

Im Film geht es vornehmlich um Frauen aus Osteuropa, die unter falschen Versprechungen nach Westeuropa gelockt werden, wo sie jedoch keine Tätigkeit als Verkäuferin oder Kellnerin erwartet, sondern wo sie zur Prostitution gezwungen werden. Teils haben sie im 10-, 20- oder 30-Minuten-Takt einen neuen Freier zu bedienen, und das 23 Stunden (!) am Tag. 

Ein Paradies für die Menschenhändler und Zuhälter (und Freier), die den Frauen das antun, dürfte Deutschland mit seiner liberalen Rechtsprechung sein. THE ECONOMIST spricht von Deutschland als einem riesigen Bordell („Prostitution in Germany – A giant Teutonic brothel“). Schlimm das im Film angeführte Beispiel eines Bordells: „Eine Frau, ein Bier, ein Würstchen für nur 8,90 Euro“. Etwa hundert Männer sollen dieses Angebot angenommen haben, ihnen sollen vier (!) Sexarbeiterinnen zur Verfügung gestanden haben. 

Ein wenig überrascht war ich von der Diskussion nach der Filmvorführung, die doch im Endeffekt auf die Forderung nach einem Sexkaufverbot hinauslief. Der Film läuft meines Erachtens nicht in diese Richtung. Dazu hätte ich gern die Regisseurin Marion Pfeifer gehört, die jedoch leider nicht anwesend war. Und würde die Bestrafung des Kaufs von sexuellen Diensten die Probleme wirklich lösen? Werden dann nicht eher Freier (und eventuell die Prostituierten) verfolgt und bestraft, als dass man sich der Gewalt gegen Prostituierte (gegen Frauen) annähme? In den USA ist die Prostitution seit jeher verboten. Gibt es dort deshalb keine? Und gibt es dort keinen Menschenhandel dieser Art? Und haben die Verbote in Schweden und Norwegen tatsächlich den erhofften Erfolg gebracht? Wurden die (europäischen) Probleme des Menschenhandels dadurch nicht nur verlagert, beispielsweise nach Deutschland?

Ich kann all diese Fragen leider nicht beantworten. Aber was ist das für eine Gesellschaft (eine Welt), in der Menschen (und vielleicht speziell Frauen) so viel Leid angetan wird (und nicht nur im Bereich der Prostitution). Gibt es eigentlich noch so etwas wie Empathie?

Abschließend zum Film als Film: Das Thema ist wohl einfach zu bedrückend, als dass man auf die filmische Umsetzung achten würde. Aber ich fand die teils experimentellen Bilder, die vornehmlich in Schwarzweiß gedreht sind, als Unterstützung der Aussage und Wirkung sehr gelungen.

Links mit mehr Informationen zum Film ZEIT DER NAMENLOSEN: 

Aktionsbündnis GEGEN FRAUENHANDEL 
Videobeitrag von CAMPUS TV (lässt sich leider nicht einbetten).


Deutschlandfunk: Ein Gespräch mit Lea Ackermann von der Organisation SOLWODI. 
Deutschlandradio Kultur zum Verbot der Prostitution in Schweden und zur geplanten Verschärfung des deutschen Prostitutionsgesetzes.