Ein Blog vom Ex-Filmteam. Schwerpunkt: Kino in Hamburg, deutschsprachiger Film, Filmreihe DaF: Deutsch als Fremdsprache - Deutsch als Filmsprache (einmal monatlich im Metropolis-Kino Hamburg)
Am 10.02.2016
in unserer Filmreihe DaF im METROPOLIS Kino: DER KOCH, Ralf Huettners
Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers von Martin Suter.
Viele Bücher des Schweizer Schriftstellers Martin Suter
wurden schon verfilmt, der deutsche Regisseur Ralf Huettner (VINCENT WILL MEER)
hat sich an die schwierige Aufgabe gemacht, Suters komplexen Politthriller DER
KOCH für die Leinwand zu inszenieren. In Suters Geschichte geht es nicht nur um
den in die Schweiz immigrierten tamilischen Koch Maravan (Hamza
Jeetooa), der mit
seiner Arbeitskollegin den Catering-Service "Love Food" eröffnet,
sondern auch um Themen wie Waffenhandel, Kapitalismus und Einwanderung.
Maravan arbeitet als Küchenhilfe in einem Züricher Sternerestaurant. Als er
dem Chefkoch immer wieder vormacht, wie man wundervoll kochen kann, wird er
entlassen. Daraufhin überredet ihn seine Ex-Kollegin, die Kellnerin Andrea
(Jessica Schwarz) dazu, mit ihr einen Catering-Service für
aphrodisierende Menüs zu eröffnen, denn Maravan kennt die Geheimnisse
der ayurvedischen Küche. Schon bald wird „Love Food“ ein großer Erfolg. Als zu
den Kunden jedoch irgendwann auch ein Waffenhändler gehört, der von
Waffengeschäften mit den Bürgerkriegsparteien in Sri Lanka profitiert, kommt
Maravan in Gewissenskonflikte, denn in Sri Lanka lebt seine Familie.
Die Hauptdarstellerin Jessica Schwarz über die schwierige
Position des deutschen Films in
Deutschland und den Film DER KOCH:
„Das ist wirklich tragisch, weil wir alle uns Mühe geben,
weil wir Horizonte erweitern möchten. Aber vielleicht ersehnt sich das Publikum
mehr Unterhaltung und Leichtigkeit, wobei ich finde, dass zum Beispiel „Der
Koch“ eine gute Mischung ist – man geht da nicht raus und denkt, ich verstehe
nur Bahnhof. Man hat doch eher ein sinnliches Erlebnis und wird dennoch zum
Nachdenken angeregt, mit einem politischen Thema noch dazu, das man vielleicht
nicht kennt, dann aber kennenlernt.“
Wir empfehlen, am um 19.00 Uhr nicht hungrig zu DaF ins
METROPOLIS Kino zu gehen ….
„Man meint MADAME MALLORY UND DER DUFT VON CURRY zu
riechen bei der angedeuteten exotischen Verführung über den Gaumen.“ Filmtabs
„Die Kamera fängt das perfekt gestylte Fusion-Food so ein, dass man
Kurkuma, Koriander und Kreuzkümmel regelrecht zu schmecken meint.“ Cinema
„Martin
Suters DER KOCH hielt sich wochenlang auf Platz 1 der Bestseller-Liste des
"Spiegel". Die prickelnde Romanvorlage wurde nun vom Deutschen Ralph
Hüttner verfilmt - filigran und atmosphärisch dicht. Die Schweizer
Co-Produktion dürfte sogar ein internationales Publikum ansprechen. (….) DER
KOCH ist die sinnliche Literatur-Verfilmung des gleichnamigen Roman-Bestsellers
von Erfolgsautor Martin Suter. Ein Werk voller ayurvedisch-aphrodisischer
Küchen-Zauberei.“ Cineman
Der 28. Dezember 1895 gilt als das Geburtsjahr des Kinos,
denn an diesem Tag gründeten die Brüder Lumière mit öffentlichen
Filmvorführungen im Pariser "Grand Café" das erste Kino.
In der ARD-Mediathek kann man sich dazu das Kalenderblatt
der Deutschen Welle anhören.
“If I have a reputation for being difficult, it’s because I love the
everyday and want to present it. In general people go to the movies precisely
to escape the everyday.” Chantal Akerman (in
einer Hommage im Januar-Programm vertreten)
Das
Jahr 2015 endete im METROPOLIS fein, das Jahr 2016 beginnt ebenso. So freuen wir
uns, am 13.1. das DaF-Jahr mit dem spannenden und auch sehr aufschlussreichen
Politthriller DIE LÜGEN DER SIEGER beginnen
zu können. Christoph Hochhäuslers aktueller Film beschäftigt sich mit der Macht
der Lobbyisten und der Manipulation der Presse, die sich Letztere wohl viel zu
oft gefallen lässt.
„Es gibt immer weniger
Korrespondenten und investigative Journalisten. Die sind in der Debatte extrem
wichtig. Heute ist der deutsche Pressemarkt so breit gefächert und gleichzeitig
so lächerlich verengt. 95 Prozent der Journalisten verwenden vielleicht nicht
dieselben Worte, aber es ist derselbe Tenor. So entstehen die Spurrillen der
deutschen Meinung. Und wenn dann doch einmal jemand einen anderen Ton
anschlägt, hält das niemand wirklich gut aus.“ Regisseur Christoph Hochhäusler
im CICERO-Interview
Mehr
Infos zum Film sowie den Trailer erhalten Sie in diesem Blogpost. Schauen Sie auch gern dieses Video an, in dem sich Marc Uwe Kling anlässlich
des 10. Geburtstags von LOBBY CONTROLmit dem
Känguru über Lobbyismus und den neuen Todesstern austauscht.
Ob
und welche Lobbyisten an der Filmauswahl für das FUTURALE FILMFESTIVAL, das durch
25 deutsche Städte tourt und im Januar vom 14. bis zum 20. auch im METROPOLIS
haltmachen wird, beteiligt waren, wissen wir nicht. Das Festival ist Teil des
Dialogprozesses Arbeiten 4.0, den das Bundesministerium für Arbeit und Soziales
mit dem Grünbuch Arbeiten 4.0 im April 2015 begonnen hat. Es geht um Fragen
wie: Wie wollen wir in Zukunft arbeiten? Und welche Spielregeln braucht es
dafür? Nach den Filmvorführungen stehen jeweils Experten den Besuchern im
Kinosaal für hoffentlich anregende Diskussionen zur Verfügung. In den Filmen
geht es um You Tuber, digitale Nomaden, 3D-Technologie, Roboter als
Pflegekräfte, wunderbare Arbeitsplätze, die Bedeutung von Arbeit heute und
Start-ups in Israel. Mehr Infos gibt es beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales.
In
jedem Fall kritisch setzen sich die Filme IN
DIR MUSS BRENNEN (D 2009, Regie: Katharina Pethke) und WORK HARD PLAY HARD (D 2011, Regie: Carmen Losmann) in der Reihe dokART
mit dem Thema Arbeit auseinander. Die Termine sind der 4.1. (Katharina Pethke
wird zu Gast sein) und 27.1., jeweils um 21.15 Uhr. Alles Weitere zu diesen
Filmen finden Sie auf der Webseitevon dokART.
Am 5. Oktober 2015 verstarb
die belgische Filmregisseurin Chantal Akerman, die als Pionierin des
feministischen Kinos und als große Film-Avantgardistin gilt und in ihrem Werk immer
wieder mit filmischen Tabus brach. Das METROPOLIS widmet ihr eine Hommage
mit den Filmen TOUTE UNE NUIT (B
1982), UN DIVAN À NEW YORK (F/BRD/B
1996), NO HOME MOVIE (B/F 2015)
sowie JEANNE DIELMAN, 23 QUAI DU
COMMERCE – 1080 BRUXELLES (B 1975). Mehr Infos zu den Filmen und die Spieltermine
finden Sie auf der Themenseite des METROPOLIS unter dem Titel HOMMAGE AN CHANTAL AKERMAN.
Sehr lesenswert ist dieser Artikel über die Filme von Chantal Akerman auf der
Webseite vom BFI. Und Adam Cook hat sich in einem Videoessay mit der „Action“ in
Akermans Film JEANNE DIELMAN
auseinandergesetzt, zu finden bei PRESS PLAY.
Außerdem
würdigt das METROPOLIS im Januar den bedeutenden deutsch-französischen Film-,
Theater- und Hörspielregisseur Max Ophüls mit den Filmen DIE VERLIEBTE FIRMA (D 1932), DIE
VERKAUFTE BRAUT (D 1932), LIEBELEI
(D 1932), LACHENDE ERBEN (D 1932), KOMÖDIE UMS GELD (NL 1936) und DE MAYERLING À SARAJEVO (F 1939/40). Die
Retrospektive wird im Februar fortgesetzt.
"Ophuls is, like all great
directors, inimitable, and if all the dollies and cranes in the world snap to
attention when his name is mentioned, it is because he gave camera movement its
finest hours in the history of the cinema." Andrew Sarris (The American Cinema,
1968). Auch der Regisseur Paul Thomas Anderson ist schwer begeistert von Ophüls
Arbeit.
Am
12.12.2015 wäre „die Stimme Amerikas“, Frank Sinatra, 100 Jahre alt geworden. Doch
selbstverständlich war Sinatra auch Schauspieler. Das METROPOLIS erinnert mit
mehreren Filmen an Sinatra als Darsteller, dabei u.a. FROM HERE TO ETERNITY (USA 1953, Regie: Fred Zinnemann). Sinatra
erhielt für seine Darstellung den Oscar als Bester Nebendarsteller. Alle
weitere Filme und deren Termine gibt es auf der Themenseitedes
METROPOLIS.
Einen
weiteren Klassiker des US-amerikanischen Kinos zeigt das METROPOLIS als NEUJAHR-SPEZIAL.
Freuen Sie sich auf ein Wiedersehen mit David Leans DOKTOR SCHIWAGO (USA 1965). Der Film wird am 1.1. um 17.00 Uhr in
seiner deutschen Fassung auf 35mm vorgeführt. Um die 197 Minuten ohne Probleme
durchzustehen, wird es eine Pause geben.
Und
einen weiteren Geburtstag gilt es im Januar zu feiern: Am 2.1.1896 wurde der
sowjetische Dokumentarfilmer Dziga Vertov geboren. Das METROPOLIS widmet
ihm die Reihe LANG
LEBE DZIGA VERTOV! und zeigt seine Filme EIN SECHSTEL DER ERDE (SU 1926) und DREI LIEDER ÜBER LENIN (SU 1934) sowie die Dokumentation IM LAND DER KINOVETERANEN – FILMEXPEDITION ZU
DZIGA VERTOV (D 1996). Die Filmemacher Thomas Tode und Rasmus Gerlach
werden zu Gast sein (Termin: 26.1. um 21.15 Uhr).
Sehr
schön auch, dass es im Januar im METROPOLIS Kino HIGHLIGHTS 2015 geben wird. Es
ist eine tolle Chance, Filme, die man gern gesehen hätte, aber verpasst hat,
nachzuholen. Und die Auswahl verspricht viele anregende Kinostunden: AMY (GB 2015, Asif Kapadia), NATIONAL GALLERY (USA/F/GB 2014,
Frederick Wiseman), TAXI TEHERAN
(Iran 2015, Jafar Panahi), A GIRL WALKS
HOME ALONE AT NIGHT (USA 2014, Ana Lily Amirpour), STILL THE WATER (F/JPN/ESP 2014, Naomi Kawase) und DER STAAT GEGEN FRITZ BAUER (D 2015,
Lars Kraume).
Die
Reihe KINOFILMGESCHICHTE
befasst sich am 11.1. um 19.00 Uhr mit EDUCATE
GERMAN BY FILM – FILM ALS INSTRUMENT DER RE-EDUCATION. Nach der
militärischen Niederlage im Zweiten Weltkrieg sollte Deutschland durch die
Alliierten entnazifiziert und demokratisiert werden. Dazu dienten u.a. auch
Filme als pädagogische und propagandistische Medien. Die zunächst zu diesem
Zweck gezeigten Filme handelten von der Befreiung der Konzentrationslager und verfolgten
den Zweck, (nicht nur) Deutschland über die Verbrechen der NS aufzuklären. Thomas
Thode wird am 11.1. zu diesem Thema referieren und es werden verschiedene
Kurzfilme gezeigt. Sehr empfehlenswert!
Wer
sich näher mit diesem Thema beschäftigen möchte, den verweisen wir auf die Webseite der Brandenburgischen Zentrale für politische Bildung.
Folgende
Zitate haben wir dort entnommen.
Siegfried
Kracauer meinte 1949 zur Re-education: „Jede wirksame Mobilisierung des
deutschen Anstands muss mit einem Wechsel von Denkgewohnheiten, die
Jahrhunderte alt sind, einhergehen.“
Die
französische Zeitung „Le Monde“ zog ein Zwischenresümee der Filmpolitik der
Besatzungsmächte in Deutschland:
„Der
Film, das wunderbare Propagandainstrument, wird von den Besatzungsmächten nicht
in gleich Weise nutzbar gemacht. Manche unterschätzen ihn in ihrer
Entnazifizierungspolitik. Freilich stellt sich eine Anwendung als delikat
heraus: die Filme über die Konzentrationslager sind bei den Deutschen, die die
grobschlächtige Goebbelspropaganda ohne Wimpernzucken hinnahmen, nur auf
höfliche Gleichgültigkeit gestoßen. Aber die Produktion von Tatsachenfilmen und
die Vorführung einer Auswahl der besten alliierten Filme werden zweifellos eine
tiefgreifende Wirkung auf ein Volk ausüben, das sicherlich noch reaktionsfähig
ist. Es ist eine Frage des Taktes und des Fingerspitzengefühls.“
(In: Pressedienst, 13.12.1947, Bundesarchiv, DR 2/631)
Mit
diesen Tipps haben wir das Januar-Programm des METROPOLIS Kino natürlich
keineswegs abgedeckt. Schauen Sie sich gern auf der Themenseitedes
Kinos um, dort werden Sie weitere Programmhighlights entdecken. Wir möchten
abschließend noch auf die Premieren hinweisen, die da wären: EPHRAIM UND DAS LAMM von Yared Zeleke, WINTERGAST (Schweiz 2015) von Andy
Herzog und ganz besonders auf Godehard Gieses DIE GESCHICHTE VOM ASTRONAUTEN (D 2015).
Wir wünschen Ihnen ein gesundes
neues Jahr und ein wundervolles Kino-Jahr 2016! Im Januar fängt es ja filmisch schon
sehr vielversprechend an.
Silvester
Daß
bald das neue Jahr beginnt,
spür ich nicht im geringsten.
Ich merke nur: Die Zeit verrinnt
genauso wie zu Pfingsten.
Die
Zeit verrinnt. Die Spinne spinnt
in heimlichen Geweben.
Wenn heute nacht ein Jahr beginnt,
beginnt ein neues Leben.