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Mittwoch, 23. April 2014

#Interview mit Julian Tyrasa zu #DaF am 14.05.2014 im #Metropolis Kino: HARTs 5 – GELD IST NICHT ALLES


Die Fotos stammen von der Premiere des Films HARTs 5 im Berliner Babylon Kino

Interview mit dem Regisseur Julian Tyrasa zum Film HARTs 5 – Geld ist nicht alles
(DaF im METROPOLIS Kino Hamburg am 14.05.2014 um 19 Uhr)

Filmteam Colón
HARTs 5 ist Ihr erster Langspielfilm. Was hat Sie zu dieser „Underdog-Story“ mit den vier Freunden, die einen recht aussichtslosen Kampf gegen die Gentrifizierung, im Film in Form des schwäbischen Investors Dr. Siebold, bewogen?

Julian Tyrasa
Ursprünglich mein damaliger Wohnort: Ich lebte damals mitten in Prenzlauer Berg und erlebte die Auswirkungen der Gentrifizierung täglich vor meiner Haustür. Alles, was mir um die Jahrtausendwende an dem Bezirk so gut gefallen hatte – ein lässiger, improvisierter Lebensstil mit ebensolchen Bewohnern und Läden – verschwand immer mehr; stattdessen kamen durchgestylte Designershops und Luxus-Neubauten, deren Eigentümer als erstes alle Clubs und Kneipen wegklagten, wenn die ihre Ruhe störten. Ich bin 2001 ja auch zugezogen, aber weil ich das Leben dort toll fand und teilhaben wollte. In den vergangenen Jahren haben viele Neu-Berliner offenbar das Ziel, alles so zu verändern, bis es aussieht wie da, wo sie herkommen. Erstaunlich. Und erschreckend, dass sie es fast geschafft haben! Heute weht da ein ganz anderer, kälterer Wind. Das gilt ja leider gesamtgesellschaftlich, aber im Prenzlauer Berg konnte man das konzentriert wie unter einer Lupe beobachten. Deshalb sind meine Freundin und ich auch vor zweieinhalb Jahren, kurz nach Beendigung der Dreharbeiten, weggezogen. Sozusagen zum Abschied wollte ich mit HARTs 5 aber noch eine Liebeserklärung an all die Lebenskünstler schaffen, die den Kiez einst so lebendig gemacht hatten.

Der Titel HARTs 5 erinnert sicherlich nicht rein zufällig an das Hartz-Konzept. Warum haben Sie diesen Titel für Ihren Film gewählt?

Zum einen, weil die Protagonisten ziemlich kämpfen müssen für Ihr Geld. Ob sie wirklich Hartz IV beziehen oder nicht, wird nie explizit gesagt, aber dass sie trotz harter Arbeit finanziell nicht besonders gut dastehen, ist offensichtlich. Aber sie lassen sich nicht unterkriegen – insofern soll HARTs 5 in mehrerlei Hinsicht eine (märchenhafte) Alternative zu Hartz IV darstellen! Wie es der Untertitel sagt: Geld ist nicht alles. Eine weitere, in diesem Zusammenhang recht skurrile Anspielung des Titels bezieht sich auf OCEAN’s ELEVEN – so wie es dort die elf Männer um Danny Ocean sind, sind es bei mir die fünf Unterstützer von Tobias Hart.

Sie haben den Film mehr oder weniger im Alleingang realisiert. Welche Arbeiten haben Sie dabei selbst ausgeführt?

Mehr als mir lieb war: Neben den angenehmen Tätigkeiten wie Drehbuch, Regie, Schnitt und Komponieren der Filmmusik habe ich den Film quasi ohne Geld auch selbst produziert – das heißt, am Ende des Drehtags musste ich dann auch noch die Dispos für den nächsten Tag überarbeiten und verschicken, die Drehorte anrufen, Catering bestätigen usw. Rückblickend muss ich sagen: Das war ziemlich viel – eigentlich zu viel.

Wie haben Sie Ihre tollen Darsteller gefunden? 

Schon die Frage freut mich, denn ich finde die Darsteller auch durch die Bank wunderbar! Mit einigen von ihnen hatte ich schon gearbeitet, mit anderen wollte ich es schon lange; und den Rest (ca. ein Drittel der Besetzung) habe ich ganz klassisch über Internet oder Agenturen gecastet. Zum Glück hatten alle Lust, dabei zu sein, obwohl es ja erstmal kein Geld gab, sondern alles über Rückstellungsverträge läuft – das heißt, sobald der Film Gewinn macht, wird der unter allen Mitwirkenden verteilt.

Die Filmproduktion hat weniger als 5000 € gekostet, Kosten, die Sie unseres Wissens selbst getragen haben. Wie kommt man mit einer so kleinen Summe aus? Wo haben Sie überall Abstriche machen müssen? Denn das Ergebnis ist ja trotz dieses kleinen Budgets sehr respektabel.

Zuerst einmal: Vielen Dank! – Ja, die größten Abstriche habe ich ja eben schon erwähnt: Keiner der Beteiligten hat Geld bekommen. Die 5000 € flossen komplett in Technik, Transporte, Catering und kleine Präsente für alle Unterstützer (denn für Drehorte konnten wir natürlich auch keine reguläre Miete zahlen). An zwei Stellen musste ich das Drehbuch umschreiben, weil wir Drehorte nicht gekriegt haben – aber ansonsten haben wir uns alle sehr bemüht, nur da zu sparen, wo der Zuschauer es nicht sieht. Das Schöne daran: Man wird zur Kreativität regelrecht gezwungen – und es ist ein tolles Gefühl, wenn man am Ende des Tages dann doch wieder gute Lösungen für scheinbar ausweglose Situationen gefunden hat.

Die meisten unabhängigen Filmemacher dürften kaum von Ihrer Arbeit als Filmemacher leben können. Womit verdienen Sie Ihr Geld?

Mit berufsnahen Tätigkeiten: Auftragsarbeiten als (Drehbuch-)Autor, Drehen und Schneiden von Werbefilmen, Komponieren von Filmmusik, und zunehmend auch als Theaterautor und –regisseur – allerdings ist das eher der Versuch, den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben, denn die Verdienstmöglichkeiten am Theater halten sich ja (außer an großen Bühnen) auch ziemlich im Rahmen... vor einem Jahr aber haben meine Freundin Karoline Hugler (auch in HARTs 5 zu sehen) und ich die künstlerische Leitung des kleinen freien Theaters COMÉDIE SOLEIL in Werder (Havel) (nahe Potsdam) übernommen und versuchen seitdem, den Spagat zwischen künstlerischer Entfaltung und finanziellem Überleben zu meistern...

Im Jahr 2005 sind Sie als deutscher Pianist mit argentinischem Tango durch Japan getourt. Können Sie das ein wenig näher beschreiben?

Ja, das sollte man wohl... Ich spielte damals in einem Tangoquartett, das sich ganz auf die großartige Musik von Astor Piazzolla spezialisiert hatte. Für ein Konzert in Berlin war dann die japanische Tango-Sängerin Anna Saeki auf der Suche nach einer Begleitband – das wurden wir, und nachdem das Konzert prima gelaufen war, hat uns ihr Manager angeboten, Anna Saeki auf ihrer nächsten Tournee durch Japan zu begleiten – für unser Quartett mit Abstand das größte Publikum, vor dem wir je gespielt hatten! Eine verrückte, ganz außergewöhnliche Erfahrung, die ich später mal als Anekdote meinen Enkelkindern erzählen kann: „Als Opa 33 war, hat er in Hiroshima vor 1.700 Zuhörern Klavier gespielt“ – ich kann mir das heute selbst kaum mehr vorstellen.

Haben Sie einen Rat an alle jungen Menschen, die sich ihren Traum, einen Film zu machen, erfüllen möchten? 

Egal, ob der Traum ein Film ist oder etwas anderes: Auf jeden Fall immer MACHEN!! Unbeirrt! Nicht auf angeblich kluge und vernünftige Ratschläge hören, die einen doch nur von etwas abbringen wollen – von dieser Sorte Mensch gibt es sehr viele. Aber Menschen, die ihren Traum allen Bedenken zum Trotz verwirklichen, gibt es viel zu wenige. Immer dran denken: Man lebt nur einmal.

Wir unterrichten ja bei uns am Sprachinstitut Deutsch als Fremdsprache in der Erwachsenenbildung, haben es also mit Menschen aus der ganzen Welt zu tun, die hier in Deutschland studieren möchten bzw. hier ihre neue Heimat gefunden haben, sich aber beruflich oft völlig neu orientieren und teils von vorn anfangen müssen. Gibt Ihr Film HARTs 5 auch diesen Menschen eine Botschaft mit auf den Weg? 

HARTs 5 will ja allen Menschen Mut machen, nie aufzugeben und selbst unmöglich erscheinende Aufgaben anzugehen! Ich habe dem Film das berühmte Zitat von Erich Kästner vorangestellt: „Es gibt nichts Gutes, außer: Man tut es.“, und daran glaube ich. Und HARTs 5 beweist es zum Glück auf mehreren Ebenen: Ein Film, der quasi ohne Geld und ohne namhafte Stars entstanden ist, von keiner Filmförderung und keinem Fernsehsender unterstützt – und er hat schließlich doch einen Kinoverleih und viele begeisterte Zuschauer gefunden. Also: Wenn man nur fest an etwas glaubt und unbeirrt und hartnäckig daran festhält, dann kann man vieles erreichen.

Wir bedanken uns ganz herzlich für diese interessanten Aussagen und freuen uns sehr auf HARTs 5 am 14. Mai in unserer Filmreihe DaF im METROPOLIS Kino Hamburg. Und wir wünschen Ihnen viel Erfolg für Ihre berufliche (filmische) Zukunft! Sehr gern würden wir wieder einen Film von Ihnen in unserer Filmreihe zeigen können.

Den Trailer und mehr Infos zum Film finden Sie, liebe Leser, hier in diesem  Blogpost

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