Ein Blog vom Ex-Filmteam. Schwerpunkt: Kino in Hamburg, deutschsprachiger Film, Filmreihe DaF: Deutsch als Fremdsprache - Deutsch als Filmsprache (einmal monatlich im Metropolis-Kino Hamburg)
Dass das deutsch-griechische Verhältnis nicht zum Besten
steht, ist spätestens seit der Krise in Griechenland offensichtlich. Laut einer Studie des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Hallevom August 2015 hat Deutschland stark von der Hellas-Krise profitiert (dank der
stark gesunkenen Zinsen auf deutsche Staatspapiere). Die griechische
Bevölkerung hingegen leidet seit Jahren unter dem harten Sparkurs, mit dem das
Land versucht, sein Staatsdefizit in den Griff zu bekommen, die Bedingungen für
Hilfspakete aus dem EU-Rettungsschirm zu erfüllen und sich dem Diktat aus
Brüssel und Berlin zu beugen. Nicht wenige Griechen machen die deutsche
Regierung für den tiefen Sturz in Krise, Armut und Verschuldung verantwortlich.
Die Filmemacher von HIGHWAY TO
HELLAS, in unserer Filmreihe DaF
im METROPOLIS Kino am 13. Juli zu sehen,
nähern sich dieser besonderen deutsch-griechischen Beziehung in einer
Culture-Clash-Komödie, die selbstbewusst mit bekannten Klischees spielt, aber
ernste Töne nicht komplett ausspart. Da wird der deutsche Banker Jörg Geissner
(Christoph Maria Herbst) auf die kleine griechische Insel Paladiki geschickt,
um für seine Bank die bei der Kreditvergabe genannten Sicherheiten (ein
Elektrizitätswerk, ein Krankenhaus und den Strand) zu überprüfen. Die
Einheimischen sind keineswegs begeistert und begegnen dem deutschen Bürokraten
mit Argwohn, denn woher sollen sie auf die Schnelle ein Elektrizitätswerk und
ein Krankenhaus bekommen?
Wem die Sympathien der Drehbuchautoren und des Regisseurs
Aron Lehmann gehören, ist recht schnell erkennbar, denn vielleicht ist die
griechische Lebensfreude dem deutschen Pflichtbewusstsein doch in mancherlei
Hinsicht überlegen. Und möglicherweise ist Lachen das probate Mittel, um mit Krisen
im Allgemeinen und der griechischen Tragödie im Besonderen wenigstens halbwegs umgehen
zu können.
Wir zeigen den Film in Originalfassung mit deutschen
Untertiteln, d.h. die Dialoge der Griechen untereinander sind in griechischer
Sprache, zumeist wird jedoch Deutsch gesprochen.
Nach dem Film spendieren wir euch in der Metropolis Kino
Bar ein deutsches Bier, ein Glas Wein und natürlich auch Nicht-Alkoholisches
und trinken mit euch auf die Griechen, denen wir Durchhaltevermögen und eine
schönere Zukunft wünschen.
„Regisseur Aron Lehmann ("Kohlhaas oder die
Verhältnismäßigkeit der Mittel") hat ein beschwingtes Feel-good-Movie
inszeniert, das bestimmte Vorurteile absichtlich bestätigt, andere Klischees
aber auch abbaut. In die unterhaltsame Handlung schleichen sich ernste Untertöne
über die Folgen der Finanzkrise und die hohe Selbstmordrate im Land.
Ex-"Stromberg" Herbst beweist tragikomisches Profil, Adam Bousdoukos
ist als südländischer Schürzenjäger perfekt besetzt. Ein Paar wie Ouzo und
Jägermeister.“ Cinema
„So torpediert er immer wieder jegliche kulturelle
Überlegenheitszuschreibung. Wessen Eigenheiten sind denn nun lasterhafter?
Wessen Lebens- und Arbeitsweise ist die bessere? Nicht zu entscheiden. Aus
gekränkter Liebe zu Griechenland, nicht etwa aus deutscher Selbstgerechtigkeit
heraus haben sie dieses Drehbuch geschrieben, sagen die Autoren. Man merkt es
deutlich.“ DIE ZEIT
“They say the bad guys are more interesting to play
but there is more to it than that – playing the good guys is more challenging
because it’s harder to make them interesting.” Gregory Peck
Am 5. April vor einhundert
Jahren wurde der US-amerikanische Schauspieler Gregory Peck geboren. Er starb
am 12. Juni 2003. Peck wirkte in unzähligen Spielfilmen zwischen 1944 und 1998
mit, für seine Rolle als Anwalt Atticus Finch in TO KILL A MOCKINGBIRD (USA 1962) wurde er mit dem Oscar als Bester
Hauptdarsteller ausgezeichnet. Wie auch in dieser Literaturverfilmung
verkörperte Peck oft den aufrechten und integeren Helden. Das METROPOLISwidmet
dem auch politisch engagierten und in der Auswahl seiner Rollen recht
anspruchsvollen Schauspieler im Juni eine Reihe mit den Filmen YELLOW SKY (USA 1949), SPELLBOUND (USA 1945), THE MILLION POUND NOTE (USA 1953), THE PARADINE CASE (USA 1947), GENTLEMEN’S AGREEMENT (USA 1947) und THE SNOWS OF KILIMANJARO (USA 1952).
Ebenfalls zu Ehren gelangt
im Juni der amerikanische Regisseur und Drehbuchautor James Gray, der hier in Europa,
insbesondere in Frankreich, weitaus bekannter ist als in den USA. Mehrere
seiner Filme feierten ihre Premiere in Cannes und sein erstes Werk, der
Thriller LITTLE ODESSA, debütierte
in Venedig, als Gray gerade 25 Jahre alt war. Mit ihrer klassischen Erzählweise
sprechen Grays Filme wohl tatsächlich eher ein europäisches als ein
action-verwöhntes US-amerikanisches Publikum an. Sie sind in jedem Fall
unbedingt eine Entdeckung wert. Das METROPOLIS zeigt im Juni THE IMMIGRANT (USA 2013), TWO LOVERS (USA 2008), WE OWN THE NIGHT (USA 2007), THE YARDS (USA 2000) und LITTLE ODESSA (USA 1994) und deckt
damit fast Grays gesamtes Spielfilmwerk ab, was man sich wirklich nicht
entgehen lassen sollte. Für einen Kinostart in diesem Jahr ist THE LOST CITY OF Z über den britischen
Abenteurer und Ethnologen Percy Fawcett, der von einer Expedition in den
brasilianischen Urwald im Jahr 1925 niemals zurückkehrte, geplant. Ein
Starttermin ist bisher nicht bekannt.
In unserer Filmreihe DaF
zeigen wir Ihnen am 15.6. (wie gehabt um 19.00 Uhr) Hans
Steinbichlers zeitgemäß und bewegend inszenierten Film DAS TAGEBUCH DER ANNE FRANK mit der großartigen Lea van Acken in
der Titelrolle. Steinbichler ist der erste Filmemacher, der sich ganz eng am
Original-Tagebuch der Anne Frank orientiert und sie damit sehr authentisch
beschreibt als ein Mädchen mit seinen Ängsten, seinen Sehnsüchten, Träumen und
seinen Zukunftsplänen in einer Zeit, deren Umstände Hoffnung eigentlich kaum
zuließen. Erfahren Sie Weiteres in diesem Blogpost.
„Umso großartiger, dass
Regisseur Hans Steinbichler und Autor Fred Breinersdorfer, der auch schon das
Drehbuch zum Oscar-nominierten „Sophie Scholl“-Film schrieb, dieser schweren
Aufgabe voll und ganz gerecht geworden sind, in inhaltlicher und in filmischer
Weise. "Das Tagebuch der Anne Frank" ist ein herausragender Kinofilm,
bewegend gespielt, hochsensibel inszeniert. Ein würdiges filmisches Denk- und
Mahnmal.“ Programmkino.de
Ein ganz
besonderes Highlight können Sie (und wir) am 18.6. um 21.15 Uhr in der Reihe JAZZ IN SCHWARZ
UND WEISS (Konzerte zu Stummfilmen) erleben. Ulrich Kodjo Wendt
(Akkordeon) und Hans-Christoph Hartmann (Saxophon) begleiten Ewald André
Duponts Meisterwerk VARIETÉ (D 1925,
mit Emil Jannings). Wir sind sicher, dass das äußerst gekonnt geschehen wird. Weitere
Veranstaltungen von JAZZ IN SCHWARZ UND WEISS finden Sie bei Audio-Obscura.
Zwei
bedeutende Filmfestivals können wir Hamburger Anfang Juni erleben. Das INTERNATIONALE
KURZ FILM FESTVAL HAMBURG mit einem erneut herausragenden und
äußerst abwechslungsreichen Programm findet vom 31.5. bis zum 6.6. im
METROPOLIS sowie an weiteren Spielorten statt. Da sollte man unbedingt mal
vorbeischauen. Schauen Sie gern auf die Webseitedes Festivals, wo Sie viel mehr erfahren können.
Ebenfalls
im Juni gibt es die einmalige Gelegenheit eine große Bandbreite aktueller
japanischer Filme im Kino zu erleben. Vom 8.6. bis zum 12.6. sagt man im
METROPOLIS, im Kino 3001und im STUDIO Kinobeim JAPAN-FILMFEST HAMBURG „Konnichiwa!“ Das
Programm, das mit mehreren Genres aufwartet (u.a. Anime- und Yakuza-Filmen),
können Sie auf der Festival-Webseite einsehen.
Bereits seit dem 5. Mai stellen die Deichtorhallen Hamburg im Haus der Photographie Arbeiten der Fotografen Ken Schles, Jeffrey
Silverthorne und Miron Zowniraus (noch bis zum 7.8.2016). Im Begleitprogramm zur Ausstellung zeigt das
METROPOLIS drei Lang- und zwei Kurzfilme, bei denen Miron Zownir Regie führte: BACK TO NOTHING (D 2015, am 17.6. um
21.15, mit Gästen), ABSTURZ (D 2012)
+ BRUNO S. – DIE FREMDE IST DER TOD
(D 2003, am 23.6. um 21.15) sowie JETZT
ODER NIE (D 1996) + PHANTOMANIE
(D 2010, am 29.6. um 21.15). Miron Zownir wird bei allen Vorstellungen zu
Gast sein.
Ben Rivers ist ein Künstler und experimenteller Filmemacher aus England.
Derzeit werden Installationen Rivers‘ im Kunstverein in Hamburg ausgestellt (noch bis zum 3.7.2016). Das METROPOLIS zeigt anlässlich dieser
Ausstellung im Juni die von Ben Rivers kuratierten Filme STUDY OF AN ISLAND (GB
1979, Rudolf Thome und Cynthia Beatt, am 13.6., 19.00), TWO
YEARS AT SEA (GB 2011, am 27.6., 19.00) sowie ein Kurzfilmprogramm unter
dem Titel ETHNOGRAPHIES mit Filmen
verschiedener Filmemacher (am 20.6., 19.00).
Rivers‘ filmische Essays sind
meditative Porträts von Menschen und Orten, die nicht so recht in unsere von
Hektik und Konsum geprägte Zivilisation zu passen scheinen. Der INDEPENDENT schrieb über TWO YEARS AT SEA:“This
black-and-white documentary, following the doings and dreamings of a recluse in
the Cairngorms, is almost wordless – and is quietly extraordinary.” Man
sollte sich wohl weder die Installationen im Kunstverein noch die von Rivers
ausgesuchten Filme im METROPOLIS entgehen lassen.
Die Reihe dokART,
die im Mai ihr dreijähriges Bestehen im METROPOLIS feierte und unter Beweis
stellt, dass Dokumentarfilme auch einen künstlerischen Wert besitzen können,
zeigt im Juni THE LADY OF CHANDOR
(Portugal 1998) am 7.6. um 19.00 Uhr sowie THE
WOLF’S LAIR (Portugal 2015) am 23.6. um 19.15 Uhr, beide von Catarina
Mourao, die am 23.6. auch zu Gast sein wird.
Am 25.6. kommen Freunde des
Griechischen Kinos auf ihre Kosten. Das METROPOLIS zeigt unter dem Motto GRIECHENLAND
SEHEN um 19.15 Uhr und 21.15 Uhr die Filme ENCARDIA (Griechenland
2012) von Angelos Kovotsos und URSA MINOR (Griechenlnd 2015) von Elissavet
Chronopoulou.
FILMLAND POLEN ist am 19.6. um 17.00 Uhr
dran und zeigt mit WALPURGISNACHT
(Polen 2015, Regie: Marcina Bortkiewicza) erneut ein starkes Werk des Neuen
Polnischen Films, in dem ein junger französischer Journalist einer polnischen
Opernsängerin mit seinen Fragen schmerzhafte Erinnerungen und Eingeständnisse entlockt.
Fortgesetzt wird im Juni die
Reihe KÄTHE
VON NAGY, u.a. mit SALONWAGEN E 417 (D 1939, Regie: Paul Verhoeven) und
LIEBE, TOD und TEUFEL (D 1934, Regie: Heinz Hilpert und Reinhart Steinbicker).
Beachten Sie im Juni-Programm des METROPOLIS auch die
Reihen ERFASST,
VERFOLGT, VERNICHTET, JÜDISCHER FILMCLUB (am 30.6.), SOULFOOD EDEN
(am 26.6.), TÄTER
– OPFER –WIDERSTAND (ebenfalls am 26.6.), KINELAB HAMBURG (am 21.6.) und
noch viel mehr. Alle Termine und Infos zu den einzelnen Filmen finden Sie auf
der Themenseite des Kinos unter den jeweiligen Titeln.
Wir wünschen einen unterhaltsamen und anregenden
Kinomonat!
EINST!
Einst … werde ich und … einst
wirst Du nicht
sein.
Gib mir die
Hand!
Noch
scheint und eint
uns Sonnenschein; licht
liegt das
Land.