Freitag, 14. September 2018

Internationales Filmfest Oldenburg: Justizvollzugsanstalt Oldenburg baut Brücke zwischen Vollzug und Außenwelt


Am heutigen Freitag hat der Staatssekretär im Niedersächsischen Justizministerium, Dr. Stefan von der Beck, nun auch in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Oldenburg den Startschuss für das 25. Internationale Filmfest gegeben. Die JVA ist einer von mehreren Orten in der Stadt, an denen Filme des international renommierten Filmfestivals gezeigt werden. Der besondere „Spielort“ soll eine Brücke bauen zwischen dem Leben hinter Mauern und einem Leben in Freiheit. Dr. von der Beck: „Die Ausrichtung des Filmfestivals in der JVA Oldenburg bietet eine schöne Möglichkeit, die Verbundenheit von Besuchern und Gefangenen in ihrem Interesse am Independent Film zu verdeutlichen. Dies dient dem Ziel des Justizvollzugs, in dem Gefangene lernen sollen, straffrei als vollwertige Mitglieder unserer Gesellschaft zu leben.“ Aus Anlass des 25-jährigen Jubiläums des Filmfestivals überreichte der Staatssekretär dem Veranstalter, Torsten Neumann, und mehreren Mitwirkenden des Eröffnungsfilms symbolische Kunstwerke. Gemeinsam sahen Gefangene und Besucher anschließend die Uraufführung des Films „Der Henker“ von Michael Kreindl.


Das internationale Filmfest Oldenburg und die Justizvollzugsanstalt Oldenburg begehen bereits seit 2006 diese weltweit wohl einmalige Kooperation: Die Justizvollzugsanstalt wird für drei Tage zu einer festen Spielstätte des Festivals. Damit dürfte Oldenburg das einzige Festival überhaupt sein, das sein reguläres Programm in einer Justizvollzugsanstalt zeigt. Dahinter steht zum einen der Gedanke, den Insassen der JVA Oldenburg und der JVA für Frauen in Vechta ein kulturelles Angebot zu bieten. Ein weiteres Ziel ist es, den sonstigen Besuchern des Festivals Einblicke in die Gefängniswelt zu gewähren.

Der Eröffnungsfilm DER HENKER von Michael Kreindl (2018)
Die Ermittler Branka und Emil kehren zurück in die korrupten Machenschaften der Bauindustrie Kroatiens. Ein Baubeamter wird erstochen in seinem Wagen aufgefunden - daneben die Nachricht: „Korruptes Schwein!“ Der Hintergrund der Tat scheint schnell klar: Nachträgliche Baugenehmigungen für Schwarzbauten sind heiß begehrt und bestechliche Beamte keine Seltenheit. Alles deutet darauf hin, dass das Mordmotiv mit korrupten Baumachenschaften zusammenhängt. Ein zweiter Mord bringt den Verdacht allerdings ins Wanken. Ist hier ein selbst ernannter Henker im Namen der Selbstjustiz unterwegs?

Mittwoch, 12. September 2018

1000 ARTEN REGEN ZU BESCHREIBEN im Oktober 2018 bei DaF


Am 10. Oktober 2018 bei DaF im METROPOLIS Kino Hamburg: 1000 ARTEN REGEN ZU BESCHREIBEN.

Als Hikikomori bezeichnet man in Japan Menschen (zumeist junge Männer), die sich komplett zurückziehen und ihr Zimmer bzw. ihre Wohnung nicht mehr verlassen. Diese Art des gesellschaftlichen Rückzugs ist aber keineswegs nur ein japanisches Phänomen. Die Regisseurin Isabel Prahl hat sich diesem Thema in ihrem starken Film 1000 ARTEN REGEN ZU BESCHREIBEN angenommen. 


Der 18jährige Mike hat sich in seinem Zimmer eingeschlossen und sperrt die Welt aus, auch seine Eltern (Bjarne Mädel und Bibiana Beglau) und seine Schwester Miriam (großartig dargestellt von Emma Bading, die dem einen oder anderen aus Nico Sommers LUCKY LOSER bekannt sein dürfte). Als Zuschauer erfahren wir nicht viel über Mike, aber umso mehr erleben wir, wie seine Familie mit dieser für sie unbegreiflichen Situation umgeht. Beeindruckend, schön, poetisch - für mich definitiv einer der besten deutschen Filme des Jahres. 

Regina Nickelsen (Colón Language Center)

„Ihr erster Langfilm gelingt durch reduzierte Dialoge, eine ­großartige Kamera, eindrückliche Musik (Volker Bertelmann aka Hauschka) und grandiose Schauspieler. Es ist ein elegischer Sog, den sie erschafft. Antworten gibt sie nicht. ­Lösungen schon.“ epd Film 


„Empathisch kann der Zuschauer mit allen Figuren mitfühlen und mit ihnen gemeinsam darauf hoffen, dass trotz der Konflikte jedes Einzelnen auch die Familie erhalten bleibt. Denn am Ende steht der Blick hinter den Regen auf den sonnenbeschienen Horizont. Ein bild- und spielstarkes Filmdebüt.“ Prädikat Besonders Wertvoll, Deutsche Film- und Medienbewertung


Am 10.2018 (19.00 Uhr) bei DaF im METROPOLIS Kino Hamburg:

1000 ARTEN REGEN ZU BESCHREIBEN
Deutschland 2018
Regie: Isabel Prahl
Lauflänge: 91 Min. 

Trailer und Fotos: © Film Kino Text

Sonntag, 9. September 2018

Internationales Filmfest Oldenburg zum 25. Mal


Am 12.9.2018 startet die Jubiläumsausgabe des Internationalen Filmfests Oldenburg , das für sein sorgfältig kuratiertes Programm weltweit bekannt ist. Seit 1994 steht das Internationale Filmfest Oldenburg für bedingungsloses Independent-Kino, das Jahr für Jahr tausende begeisterte Filmfreunde anzieht. Über Genregrenzen hinweg und gegen den Mainstream wird das Unabhängige, die Kunst an sich, und nicht der Kommerz gefeiert.


Eröffnet wird das Filmfest am 12.9. mit der Europapremiere der russischen Produktion UNFORGIVEN. Somit wird erstmals in der nunmehr 25-jährigen Geschichte kein deutscher Film das Festival eröffnen. Ein Stück jüngerer deutscher Geschichte bildet jedoch den Hintergrund des Films. Russlands Regiestar Sarik Andreasyan erzählt die zutiefst traumatische, wahre Geschichte des Osseten Vitaliy Kaloev, der bei der Flugzeugkatastrophe von Überlingen seine komplette Familie verliert. Der Schmerz darüber und die Ohnmacht angesichts der Abwesenheit von Empathie und Reue der Verantwortlichen führt in eine zweite, menschliche Katastrophe. Nachdem Andreasyan mit »Guardians« Russlands Antwort auf die Marvel Superheldenfilme auf die Leinwand gebracht hat, zeigt er sich in »Unforgiven« als Virtuose des Schauspielerkinos ohne Scheu vor überlebensgroßen Emotionen.


Historische Fakten stehen im Mittelpunkt des Films, der eine Geschichte erzählt, die in den 2000er Jahren medial sehr genau und umfassend begleitet wurde. Nach der Flugzeugkatastrophe von Überlingen, der aufgrund einer Verkettung von Fehlern, Unaufmerksamkeiten und technischen Problemen im Jahre 2002 über dem Bodensee 71 Menschen, darunter 49 russische Kinder zum Opfer fielen, bahnt sich eine weitere, menschliche Katastrophe an, die Andreasyans Film zu einem intensiven, bewegenden und visuell mitreißenden Stück Kino verarbeitet.

Die Eröffnungsgala findet in diesem Jahr erstmalig in der Kongresshalle der Weser Ems Hallen statt.

In einem Tribute ehrt das 25. Internationale Filmfest Oldenburg den Oscargewinner Keith Carradine. Der international bekannte
Charakterdarsteller Hollywoods wird während des Festivals und nicht bei der Europapremiere von RAY MEETS HELEN (USA 2018, Alan Rudolph). Gezeigt werden zudem die Klassiker, NASHVILLE (Robert Altman), DIE DUELLISTEN (Ridley Scotts meisterhaftes Regiedebüt) sowie TROUBLE IN MIND (Alan Rudolph).


Des Weiteren bietet das diesjährige Filmfest eine Werkschau Bruce Robinsons, eines der eigenwilligsten Autoren und Regisseure des britischen Kinos. Gewürdigt werden seine Arbeiten als Darsteller, Autor und Regisseur. Bruce Robinson wird während des gesamten Festivals in Oldenburg zu Gast sein und acht seiner Filme im Rahmen der ihm gewidmeten Retrospektive vorstellen. Die Retrospektive wird folgende Filme beinhalten: ROMEO AND JULIET (1968), THE STORY OF ADELE H (1975), KLEINHOFF HOTEL (1977), THE KILLING FIELDS (1984), WITHNAIL AND I (1987), HOW TO GET AHEAD IN ADVERTISING (1989), JENNIFER 8 (1992) sowie THE RUM DIARY (2011).


Im Rahmen der festlichen Filmfest Gala präsentieren Tomer Almagor und Nadav Harel am 15. September 2018, 21.00 Uhr, im Oldenburgischen Staatstheater ihren Dokumentarfilm KING OF BEASTS (USA 2018) als Weltpremiere. Im Film begleiten sie den Großwildjäger Aaron mit einer Gruppe von Jägern auf einer Jagd in Tansania. Mit noch nie zuvor ermöglichten Einblicken in dieses weltweit geächtete Phänomen der Trophäenjäger ist ein Film entstanden, der in Erzählform und visueller Energie intensiver als jeder Spielfilm erscheint. Ein Portrait eines durch und durch neokolonialistischen Unternehmens. Am Ende werden wir herausfinden, wer der »King of Beasts« ist. 


Die Closing Night Gala der 25. Ausgabe des Filmfest Oldenburg findet am 16. September 2018 um 19.00 Uhr im Oldenburgischen Staatstheater statt. Im Anschluss an die Preisverleihung, u.a. des German Independent Awards, wird der französische Spielfilm FRÜHES VERSPRECHEN (2017) von Eric Babier seine Deutschlandpremiere erleben. Der Film entfaltet das Leben des französischen Schriftstellers, Regisseurs und Diplomaten Romain Gary. Von seiner Kindheit in Polen über seine Jugend unter der Sonne von Nizza bis hin zu den Erlebnissen als Pilot in Afrika während des Zweiten Weltkriegs, Romain Gary lebte ein außergewöhnliches Leben. Die unerschütterliche Liebe seiner liebenswerten wie exzentrischen Mutter Nina (Charlotte Gainsbourg) lässt ihn zu einem der größten Romanciers des zwanzigsten Jahrhunderts werden, zu dem Mann der als einziger zweimal den französischen Literaturpreis Prix Goncourt erhält. FRÜHES VERSPRECHEN wird in Deutschland von Camino Films im Herbst in die Kinos gebracht.

Die Matchbox Coproduction Lounge wird am 15. September im Rahmen des Filmfest Oldenburg 2018 zum dritten Mal in Oldenburg stattfinden. Filmemacher aus der ganzen Welt treffen hier zusammen, um sich über ihre Ideen auszutauschen und um gemeinsame Interessen zu entdecken. Ziel der eintägigen Veranstaltung ist es, Filmemachern und Branchenvertretern ein entspanntes und persönliches Umfeld zu bieten, in dem sie Kontakte knüpfen und zukünftige Kooperationen schaffen können. Zusätzlich zu dem Meeting wird am Sonntag (16.9.) der Produzent Jim Stark (NIGHT ON EARTH, DOWN BY LAW) ein Panel über die Produktion von »Low Budget«- Filmen halten und seinen neuesten Film, den deutschen Film ADAM von Maria Solrun vorstellen.


Im Zuge der dritten Matchbox Coproduction Lounge wird die mazedonische Filmförderung, die Macedonian Film Agency, als neuer Förderer für potenzielle internationale Projekte vorgestellt. Mitglieder der Filmförderung und eine Delegation von Produzenten werden zugegen sein. Der mazedonische Film THE RETURN (VRAKANJA) von Kastriot Abdyli wird seine Weltpremiere auf dem Internationalen Filmfest Oldenburg feiern.

Das diesjährige Line-up beinhaltet erneut Veteranen, Newcomer und vielversprechende zweite Projekte von aufstrebenden Filmemachern. So beispielsweise das Projekt der bulgarischen Filmemacherin Maya Vitkova, deren Debüt VIKTORIA (2014) ein großer Erfolg in Festivalkreisen (Sundance, Rotterdam) war. Nachdem sie dieses Jahr den Kierslowski Award für das Beste Osteuropäische Drehbuch in Cannes erhielten, kommt sie nach Oldenburg, um Partner für ihr neuestes Projekt AFRIKA zu suchen.

Dieses Jahr werden ebenfalls zwei Bestseller Adaptionen in der Lounge präsentiert. Der letzte Roman von Pulitzer Preis-Gewinner Norman Mailer, THE CASTLE IN THE FOREST, ist für eine Serienadaption angelegt und wird von Mailers Sohn Michael vorgestellt, dessen Film THE PRIVATE LIFE OF A MODERN WOMAN ebenfalls auf dem Internationalen Filmfest Oldenburg gezeigt wird. 


Barbara Abels Bestseller DUELLE sucht ebenfalls Unterstützer für eine  Adaption als packender Psycho-Thriller PLEASANT HILLS.

Die Regisseuren-Legende aus den 1970ern, Harry Kümel, schaut sich nach Verstärkung für MOTHER OF DARKNESS um, der Fortführung seines Kultvampirfilms DAUGHTER OF DARKNESS. Ebenso sucht er Förderung für THE ADVENTURES OF HARRY DICKSON, eine Serie basierend auf den Geschichten von Jean Ray, Autor seines 1972 mit dem Plame d´Or moninierten Meisterwerks MALPERTUIS mit Orson Welles.

Der australische Regisseur und Querdenker Philipp Mora hat sich mit Jim McElroy, Produzent des mit dem Oscar ausgezeichneten THE YEAR OF LIVING DANGEROUSLY von Peter Weir, zusammengetan, um gemeinsam das Erste Weltkriegs Drama MONASH OF AUSTRALIA zu entwickeln.

Weitere Highlights dieses Jahres sind SALT IN THE WOUND, das Debüt des talentierten jungen Filmemachers Harry Ayiotis aus Zypern, der letztes Jahr den Midpoint HBO Preis auf dem Sarajevo Film Fest entgegennehmen konnte.

Noch viel mehr Programm-Highlights des Filmfest Oldenburg 2018 haben wir hier zusammengestellt

Last but not least: In Zusammenarbeit mit dem Berliner Streamingdienst FilmConfect bietet das Filmfest Oldenburg erstmalig die Möglichkeit, Independent-Perlen auch zu Hause anzusehen. Geboten wird ein Best-of aus 25 Jahren als Video-on-Demand. Darunter befindet sich z.B. Michal Samirs atemberaubendes Erstlingswerk HANY, das 2014 in Oldenburg den German Independence Award gewann und von einer unvergesslichen Nacht erzählt, die in einer einzigen spektakulären Einstellung gefilmt wurde. Auch dabei ist Jan Ole Gersters bahnbrechender Erfolg OH BOY, der 2012 das Internationale Filmfestival eröffnete und mit seiner Geschichte des gescheiterten Jura Studenten, der sich im Gestrüpp der Möglichkeiten verliert, den German Independence Award gewann. Besonders ausgewöhnlich ist Micheal Wadleighs einziger wirklicher Spielfilm WOLFEN (ein toller Film übrigens). Nur die wenigsten wissen, dass Micheal Wadleigh, neben seiner wegweisenden Dokumentation „Woodstock“ einen der raffiniertesten Horrorfilme der 80er Jahre schuf, der nun als besonderes Juwel in der VoD-Reihe zu sehen sein wird.

1. Foto: Regina Nickelsen (Filmteam Colón)

25. Internationales Filmfest Oldenburg. Programmhighlights beim Filmfestival 2018


Auch im Jubiläumsjahr befinden sich wieder handverlesene hochkarätige Filmhighlights im Programm des Internationalen Filmfest Oldenburg, das vom 12. bis zum 16.9. stattfindet. Mehr Filme und Informationen finden Sie auf der Programmseite des Festivals

Eröffnungsfilm am 12.9.
UNFORGIVEN, RUS 2018, von Sarik Andreasyan - EUROPAPREMIERE
Russlands Regiesuperstar Sarik Andreasyan erzählt die zutiefst traumatische, wahre Geschichte des Osseten Vitaliy Kaloev, der bei der Flugzeugkatastrophe von Überlingen seine Familie verliert. Der Schmerz darüber und die Ohnmacht angesichts der Abwesenheit von Empathie und Reue der Verantwortlichen führt in eine zweite Katastrophe. Nachdem Andreasyan mit „Guardians“ Russlands Antwort auf die Marvel Superheldenfilme auf die Leinwand gebracht hat, zeigt er sich in „Unforgiven“ als Virtuose des Schauspielerkinos ohne Scheu vor überlebensgroßen Emotionen.


THE BOAT, BRA 2018, von  Petrus Cariry - EUROPAPREMIERE
Es scheint, als ob das Kino für solche Geschichten erfunden wurde. Mit einer visuellen Energie, die seinesgleichen sucht, erzählt der preisgekrönte brasilianische Filmemacher Petrus Cariry eine Story von archaischer Wucht. Ein Strand, ein Fischerdorf, das Meer und die Sehnsucht der jungen nach dem Unbekannten. Als ein Boot strandet und die geheimnisvolle Ana an Land gespült wird, droht der Mikrokosmos aus Genügsamkeit, Disziplin und uneingeschränktem Zusammenhalt zu implodieren. Ein mitreißender Film voller grandioser Momente, hypnotisch und visuell berauschend.


ANGST IN MEINEM KOPF, GER 2018, von Thomas Stiller - WELTPREMIERE
Die Geschichte einer Justizvollzugsbeamtin, die sich zwischen Familienleben und Job emotional verausgabt. Das Zuhause ist geprägt von Distanz und wirtschaftlichen Zwängen. Ihre Versuche, den Mangel an Empathie im Knast auszugleichen, bringen sie in eine gefährliche Schieflage zwischen falschem Vertrauen und der Sehnsucht nach menschlicher Wärme. Thomas Stiller erzählt eine Story, die ihre Kraft ganz aus den guten Darstellern, allen voran Charly Hübner und Claudia Michelsen, und der bedrückenden Erkenntnis bezieht, dass Gefangensein keineswegs verschlossener Türen und Gitterstäbe bedarf.


ALL SQUARE, USA 2018, von John Hyams - DEUTSCHLANDPREMIERE
Nach einem One-Night-Stand mit einer Ex findet sich der von Michael Kelly wunderbar lakonisch verkörperte Loser John mit deren 12jährigem Spross allein zu Hause. Mehr aus schlechtem Gewissen über die seltsame Begegnung bietet John dem Jungen an, ihn zum Baseballspiel zu bringen. Die beiden freunden sich an und John kommt die glorreiche Idee, Wetten auf Minor League Spiele anzubieten. Was als Goldgrube beginnt, bringt schnell das ganze Städtchen ins Taumeln. Actionregisseur John Hyams wechselt mit leichter Hand ins Komödienfach und gewann beim SXSW Festival direkt den Publikumspreis.


TEMPORARY DIFFICULTIES, RUS 2018, von Mikhail Raskhodnikov - INTERNATIONALE PREMIERE
Basierend auf wahren Begebenheiten erzählt „Temporary Difficulties“ die Geschichte eines mit Kinderlähmung geborenen Jungen, der sich allen Nachteilen zum Trotz zu weltweiter Anerkennung erhebt. Kraftvoll angetrieben durch den russischen Star Rinal Kovalev und dessen eindringliche Darbietung des Vaters markiert dieser zweite Spielfilm von Autor/Regisseur Mikhail Rashodikov den Anbeginn einer neuen Stimme und Stärke im unabhängigen Kino. Herzzerreißend und inspirierend –dieses authentische Porträt des Überlebens ist eine Liebeserklärung an das Leben.


IVAN, SVN 2017, von Janez Burger - DEUTSCHLANDPREMIERE
Aus Slovenien kommt ein ehrliches sowie brutales Porträt von Liebe, Mutterschaft und Leben. Die mit dem EFP Shooting Star ausgezeichnete Marusa Majer fesselt das Publikum mit ihrer Darstellung Maras, einer blauäugigen und frischgebackenen Mutter, die wie besessen von Rok, einem verheirateten Geschäftsmann und Vater ihres Neugeborenen Ivan, ist. Gefangen zwischen zwei Fronten, befindet sie sich in einer unerträglichen Situation: Sie muss sich zwischen ihrem Kind und der Liebe ihres Lebens entscheiden.


MANDY, USA 2018, von Panos Cosmatos
Pazifischer Nordwesten. 1983. Außenseiter Red Miller, gespielt von Oscar-Gewinner und Oldenburger Star of Excellence-Empfänger Nicolas Cage, führt ein liebevolles und friedliches Leben mit seiner Partnerin Mandy Bloom (Amanda Riseborough). Doch als ihr idyllisches Dasein brutal durch eine Sekte und dessen sadistischer Anführer Jeremiah Sand zerstört wird, bleibt Red nichts anderes übrig als sich auf einen albtraumhaften, blutigen und feurigen Rachefeldzug  zu begeben. Schon in Sundance gefeiert, ist dies der gewagteste und spannendste Genre-Film des Jahres.


WRITE WHEN YOU GET WORK, USA 2018, von Stacy Cochran - INTERNATIONALE PREMIERE
Als sie 10 Jahre nach der gemeinsamen Highschool Romanze wieder Kontakt zueinander aufnehmen, liegen zwischen Ruth Duffy und Jonny Collins, gespielt von den aufstrebenden Stars Finn Wittrock („The Big Short“, „Unbroken“) und Rachel Keller („Fargo“), Welten. Jonny, völlig von Ruth eingenommen, beginnt ihr Leben zu infiltrieren auf der Suche nach Liebe und Profit. Die Geschichte der bereits mit dem Oldenburger Tribute geehrten Stacey Cochran erzählt von Geld, Unheil und Ansprüchen, wurde von Oscar-Gewinner Robert Elswit gefilmt und sollte absolute nicht verpasst werden.


RAY MEETS HELEN, USA 2017, von Alan Rudoplh - EUROPAPREMIERE
15 Jahre nach seinem letzten Film kehrt der Regisseur von jungen Klassikern wie „Chose me – sag Ja“ oder „Trouble in Mind“, Alan Rudolph, mit einem neuen Film auf die Leinwand zurück. Mit Sondra Locke und seinem Lieblingsdarsteller, dem Oscar-Preisträger Keith Carradine, hochkarätig besetzt, erzählt er die Geschichte des ehemaligen Boxers Ray und der einsamen Helen, die beide ihren verlorenen Träumen hinterher jagen. Die New York Times feierte Rudolphs Rückkehr auf die Leinwand als „wunderbar, magisch menschlich“ und bescheinigte Rudolphs Filme eine „wehmütige Rafinesse, die aus dem heutigen Kino fast völlig verschwunden ist“.


THE PRIVATE LIFE OF A MODERN WOMAN, USA 2017, von James Toback - DEUTSCHLANDPREMIERE
Am Anfang steht Hieronymus Boschs „Garten der Lüste“, das als Triptychon die Wand von Vera Lockmans hippen New Yorker Loft schmückt. Und ein Traum, aus dem Vera hofft, gerade erwacht zu sein. Im Laufe des Films wird diese Hoffnung ein ums andere Mal hinterfragt. Hat sie ihren Ex im Handgemenge mit seiner eigenen Pistole erschossen? James Toback variiert Themen seines Schaffens und wieder setzt er sehr sensibel eine Frauenfigur in das Zentrum des Geschehens. Der Film gehört ganz und gar der großartigen Sienna Miller, neben ihr beindrucken Alec Baldwin und Charles Grodin mit intensiven Momenten.


HOLIDAY, DEN/ TUR 2018, von Isabella Eklöf - DEUTSCHLANDPREMIERE
In der Urlaubsvilla ihres Freundes, einem berüchtigten Drogenbaron, taucht Sascha, jung und wunderschön, in den wilden Strudel aus Luxus, Spaß und Losgelöstheit ein. Trotz hedonistischen Taumels offenbart sich der brutale Schmerz und sie muss erschreckend feststellen, dass alles seinen Preis hat. In ihrem bereits in Sundance gefeierten Spielfilmdebüt kreiert Isabella Eklöf sonnendurchflutete Bilder von eisiger Kälte und hinterlässt den Zuschauer mit einem unbehaglichen Staunen.


FRÜHES VERSPRECHEN, FR 2017, von Eric Babier - DEUTSCHLANDPREMIERE
»Frühes Versprechen« entfaltet das Leben des französischen Schriftstellers, Regisseurs und Diplomaten Romain Gary. Von seiner Kindheit in Polen über seine Jugend unter der Sonne von Nizza bis hin zu den Erlebnissen als Pilot in Afrika während des Zweiten Weltkriegs, Romain Gary lebte ein außergewöhnliches Leben. Die unerschütterliche Liebe seiner liebenswerten wie exzentrischen Mutter Nina (Charlotte Gainsbourg) lässt ihn zu einem der größten Romanciers des zwanzigsten Jahrhunderts werden, zu dem Mann der als einziger zweimal den französischen Literaturpreis Prix Goncourt erhält. Der Film wird in Deutschland von Camino Films im Herbst in die Kinos gebracht.

IS THAT YOU?, CUB/UK 2018, von Rudy Riverón Sánchez - WELTPREMIERE
Sie lebt auf dem Land und erledigt für ihren herrschsüchtigen Vater Eduardo die tägliche Hausarbeit. Ihre Mutter wird in dem abgeschiedenen Heim in Ketten gehalten – die Strafe, die auf Ungehorsam steht. Ein kubanischer Film, der Jahrzehnte der Unterdrückung eines Landes in einem Familiendrama mit Anleihen im Horrorgenre verpackt.


WE, NED 2018, von René Eller - INTERNATIONALE PREMIERE (deutscher Verleih: Meteor Film)
»Stand by Me« in der holländisch-belgischen Provinz. Acht Teenager verbringen einen verhängnisvollen Sommer, an dessen Ende nichts mehr ist, wie es war. Basierend auf Elvis Peeters Bestseller »Wij« entwirft der Film das schrecklich schöne Portrait einer Jugend, der nichts mehr heilig ist.


LOVE EXPRESS, POL/EST 2018, von Kuba Mikurda - INTERNATIONALE PREMIERE
Auf charmante Weise macht sich Kuba Mikurda auf die Spuren von Walerian Borowczyk, einem Regisseur, der in den frühen 70er Jahren als genialer Filmemacher gefeiert wurde. Wie die Industrie sein Talent verschleuderte und was er für einige der größten Filmemacher unserer Tage hinterlassen hat, erzählt diese durch und durch faszinierende filmische Spurensuche.

SORRY ANGEL, FR 2018, von Christophe Honoré - DEUTSCHLANDPREMIERE (deutscher Verleih: Salzgeber)
Eine erste und eine letzte Liebe. Ein Start fürs Leben und ein Ende. Eine Liebesgeschichte zwischen einem jungen Optimisten und abgestumpften, resignierten Mann, wird zu einem unvergesslichen Drama über die Liebe im Augenblick.

ALL THESE SMALL MOMENTS, USA 2018, von Melissa Miller Costanzo - INTERNATIONALE PREMIERE
Ein Coming-of-Age Film der bei seiner Premiere beim Tribeca Festival der Erstlingsregisseurin Melissa Miller Constanzo viel Beifall einbrachte und Molly Ringwald eine faszinierende Rolle als Mutter bietet. Ein perfekter Rollenwechsel für die Ikone der Genres in den 80er Jahren.


DIE POESIE DER LIEBE, FR 2017, von Nicolas Bedos - DEUTSCHLANDPREMIERE (deutscher Verleih: Temperclay Films)
Kino kann die Linearität der Zeit auflösen. Nicolas Bedos beweist das in dieser herrlichen Liebeskomödie um ein Ehepaar und die große Liebe. Am Beginn steht der Tod, die Zeit läuft mal rückwärts, mal vorwärts mal bleibt sie stehen. Nur die Liebe ist unsterblich.

THE RETURN, Mazedonien 2017, von Kastriot Abdylij - WELTPREMIERE
Der Albaner Iliri reist illegal nach Frankreich ein, in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Als er wenig später mit seiner französischen Verlobten in seine Heimat zurückkehrt, muss er sich den Konflikten seiner Familie stellen. Begleitet wird diese Weltpremiere von einer Präsentation der Macedonian Film Agency als Koproduktionspartner für internationale Projekte im Rahmen des Matchbox Coproduction Meetings beim Festival.

BLUE MY MIND, SUI 2017, von Lisa Brühlmann
Sie tut alles um beliebt zu sein. Doch in dem Moment, in dem der Gruppenzwang beginnt ihre Identität zu beeinflussen, geschieht etwas Verstörendes. Ihre Zehen wachsen zusammen und sie hat Heißhunger auf Fisch, lebendigen Fisch. (deutscher Verleih: Meteor Film)



Mittwoch, 29. August 2018

Highlights im METROPOLIS Kino Hamburg im September 2018


Am 2.9. startet CHINATIME 2018, ein Festival des Chinesischen Films mit Michael Schindhelms THE CHINESE LIVES OF ULI SIGG (Schweiz 2016) über den Schweizer Unternehmer, Diplomaten und Kunstsammler Uli Sigg, der ab den 1980er Jahren in China die bedeutendste Sammlung der chinesischen Gegenwartskunst zusammengetragen hat. Bei der Eröffnung von CHINA TIME wird Uli Sigg zu Gast sein (19.30 Uhr).

Bis zum 14.9. folgen im Rahmen von CHINA TIME weitere aktuelle Lang- und auch Kurzfilme chinesischer Regisseure.

Am 15.9. wird CINEMA! ITALIA! im Metropolis eröffnet. Francesco Bruni wird seinen neuen Film TUTTO QUELLO CHE VUOI (mit Giuliano Montaldo) um 19.00 Uhr persönlich vorstellen.

CINEMA! ITALIA! läuft bis zum 23.9. und präsentiert im Verlauf des Festivals fünf weitere Highlights des aktuellen Italienischen Kinos.

Am 2.9. (16.00) kehrt FILMLAND POLEN  mit dem 16. Festival des Neuen Polnischen Films zurück ins Metropolis und zeigt DER TURM. HELLER TAG (Jagoda Szelc, Polen 2017).  

In der Retrospektive INGMAR BERGMAN *100 gibt es abschließend die Möglichkeit weitere zwölf Filme des großen schwedischen Regisseurs (wieder)zuentdecken. Darunter sind so erlesene Werke wie SZENEN EINER EHE (Schweden 1973), HERBSTSONATE (BRD/Schweden 1978) und FANNY UND ALEXANDER (Schweden 1982).   
  
Auch FRANCES MCDORMAND kommt im September in den Filmen HAIL, CAESAR! (Joel & Ethan Coen, USA 2016) und THREE BILLBOARDS OUTSIDE EBBING, MISSOURI (Martin McDonagh, USA 2017) im Metropolis (außerordentlich verdient) nochmals zu Ehren.

Aki Kaurismäkis JUHA (Finnland/D 1998), als finnischsten Film aller seiner Filme bezeichnet, ist am 22.9. (19.00) in der Reihe JAZZ IN SCHWARZ UND WEISS zu genießen. Beatrice Gamza (Gitarre) und Hans-Christoph Hartmann (Saxophon) begleiten die Filmvorführung live.

Die TRIENNALE DER PHOTOGRAPHIE steht in diesem Jahr unter dem Motto „Breaking Point. Searching for Change“. Das Metropolis steuert im September vier Filme bei, die den Arbeiten von Fotografen wie Joel Meyerowitz, Bruce Davidson, Harry Callahan, Mary Ellen Mark auf den Grund gehen.

Im Begleitprogramm zur Ausstellung DESERTEURE der KZ-Gedenkstätte Neuengamme e.V. zeigt das Metropolis die Filme UNRUHIGE NACHT (BRD 1958, Falk Harnack), KIRMES (BRD 1960, Wolfgang Staudte) und UNGEHORSAM ALS TUGEND (D 2009, Jörg Hermann).

Unser besonderer Tipp gilt der Reihe TÄTER – OPFER – WIDERSTAND, in der am 23.9. (17.00) Kai Wessels Drama NEBEL IM AUGUST (D 2016). Eindringlich wird in diesem Spielfilm die Euthanasie im nationalsozialistischen Deutschland am realen Beispiel des Jungen Ernst Lossa verdeutlicht.

Auch wenn es jetzt so gar nicht dazu passt, möchten wir noch abschließend auf unsere Filmreihe DaF hinweisen, in der wir am 12.9. (19.00) Christian Alvarts hochspannenden Thriller STEIG. NICHT. AUS! mit Wotan Wilke Möhring und Hannah Herzsprung präsentieren. Festhalten, es wird rasant. In diesem Blogpost gibt es den Trailer und mehr Infos. 

Alle Termine und nähere Informationen zu den oben aufgeführten Reihen und Filmen sowie zu weiteren Highlights im September-Programm des Metropolis lassen sich hier auf der Webseite des Kinos finden. 

Schon mal vormerken: Am 27.9. startet das von uns so geliebte Filmfest Hamburg in den Kinos Metropolis, Abaton, Studio, Passage und CinemaxX Dammtor.

Und ein Tipp für ein tolles norddeutsches Independent Filmfestival: Vom 12. bis zum 16. September findet das Internationale Filmfest Oldenburg im niedersächsischen Oldenburg statt („The Biggest Little Fest in Europe“ – The Hollywood Reporter). Von Hamburg aus leicht zu erreichen (es lohnt auch ein Tagesbesuch) und unendlich charmant und spannend! Hier kann man schon mal im Programm stöbern