Mittwoch, 10. Oktober 2018

GUNDERMANN im November 2018 bei DaF im METROPOLIS Kino Hamburg


Im November 1989 begann mit der Öffnung der innerdeutschen Grenze und dem Fall der Mauer in Berlin das Ende der DDR. Wir zeigen am 14.11. Andreas Dresens großartigen Film GUNDERMANN, auch um daran zu erinnern, dass zur Geschichte Deutschlands auch die Geschichte der DDR gehört.


Gerhard Gundermann war ein bekannter Liedermacher in der DDR und später auch im wiedervereinigten Deutschland. Andreas Dresen kommt in seinem neuen Film GUNDERMANN diesem widersprüchlichen Charakter, der neben seiner musikalischen Karriere stets weiterhin als Baggerführer tätig blieb, der Freunde und Bekannte bespitzelte und selbst bespitzelt wurde, sehr nah: ein einfühlsamer, historischer Film, ein Heimatfilm, ein Musikfilm und gleichzeitig auch eine schöne Liebesgeschichte mit einem unglaublich starken Alexander Scheer als Gundi.

Gundi, ein Idealist, aber auch ein Rebell, der SED-Mitglied wurde, weil er an den Sozialismus glaubte. Dresen erzählt differenziert ohne Beschönigung am Beispiels Gundermanns die Schwierigkeit, auf dem schmalen Grad des Glaubens an eine Idee und des möglichen Verrats an Mitmenschen zu wandern.


"Gundermann" ist einer der reichsten, differenziertesten, tollsten Filme über die DDR. Und vielleicht der beste, den Dresen je gemacht hat, weil sich dessen Menschenfreundlichkeit hier am Ende nicht auf dem Parkplatz der Versöhnung abstellen lässt. Es bleibt etwas offen in "Gundermann". Spiegel Online 

„Darum ist der neue Film von Andreas Dresen auch sehr viel mehr als nur die Biografie des widersprüchlichen und früh verstorbenen Nachwende-Liedermachers Gundermann. Es ist ein kluger, einfühlsamer, vielschichtiger und vor allem auch sehr berührender Beitrag zur deutschdeutschen Geschichte, zu einem differenzierteren, menschlicheren Umgang damit. Ein ehrliches Ringen mit individuell erlebter Vergangenheit, ganz ohne arrogante Zeigefinger-Besserwisserei.“ epd Film 

Text: Regina Nickelsen (Colón Language Center)


Am 14.11.2018 (19.00) bei DaF im METROPOLIS Kino Hamburg:

GUNDERMANN
Deutschland 2018
Regie: Andreas Dresen
Lauflänge: 127 Minuten

Trailer + Fotos: © Pandora Film 

Sonntag, 7. Oktober 2018

Rückblick auf ein tolles Filmfest Hamburg 2018


Es begann bei herrlichem September-Wetter am 27.9. und endete bei herrlichem Oktober-Wetter am 6.10. und war ein tolles Filmfest.
Sechzehn Filme konnte ich ansehen und es gab keine Ausfälle, sondern viel, viel großes Kino.


Meine neun Favoriten (beim Klick auf den Titel gelangt man zu mehr Infos und Trailern auf der Webseite des Filmfest Hamburg):

LETO (Russland 2018), Kirill Serebrennikows musikalische Reise durch die Rockszene St. Petersburgs in den 1980er Jahren. Ein lebensbejahender, berührender, einfach schöner Film, den man einfach lieben muss, wenn man Musik und insbesondere die Musik der 80er Jahre mag. Echtes Highlight beim Filmfest Hamburg 2018, das im Kinosaal mit reichlich Beifall und Jubel bedacht wurde. Toll!

BUENOS AIRES AL PACIFICO (Argentinien 2018) von Mariano Donoso, ein wirklich sehr schönes filmisches Essay mit herrlichen, poetischen Schwarzweißbildern.


ROMA (Mexiko 2018) von Alfonso Cuarón. Was für ein Genuss, diesen wundervoll in Schwarzweiß fotografierten Film beim Filmfest Hamburg auf der größten Leinwand Hamburgs im Saal 1 des CinemaxX Dammtor ansehen zu können.

"Was ist Kino?" fragte Katja Nicodemus in der ZEIT, nachdem ROMA in Venedig den Goldenen Löwen gewonnen hatte und beantwortete ihre Frage sogleich: „Diese Frage kann man nach den 75. Filmfestspielen von Venedig auch mit einem einzigen Wort beantworten: Roma. In aller Stille entwickelt der Gewinnerfilm des Regisseurs Alfonso Cuarón eine erzählerische Wahrhaftigkeit – und hinterlässt einen berührenden Nachhall.“ 

Hoffen wir, dass ROMA, obgleich es eine Netflix-Produktion ist, dennoch den Weg auf Kinoleinwände findet, denn das ist der richtige Platz für dieses Meisterwerk.   

THE IMAGE YOU MISSED (Irland 2018) von Dónal Foreman war meine erste Wahl nach Durchsicht des Programms des Filmfest Hamburg und ich wurde keineswegs enttäuscht. Es ist ein sehr persönlicher Essayfilm, in dem Foreman das Erbe seines Vaters, des Dokumentarfilmers Arthur MacCaig, aber auch seine niemals wirklich vorhandene Beziehung zu ihm, aufarbeitet. Doch der Film ist mehr als ein filmischer Dialog zwischen Vater und Sohn, er erinnert auch an den Nordirlandkonflikt und die IRA. Die Irish Times hat sich sehr ausführlich mit THE IMAGE YOU MISSED auseinandergesetzt. 


FIRST MAN / AUFBRUCH ZUM MOND (USA 2018, Deutschlandpremiere beim Filmfest Hamburg) von Damien Chazelle mit Ryan Gosling als Neil Armstrong. Chazelle hat die Biografie „First Man: The Life of Neil A. Armstrong“ von James R. Hansen verfilmt (die mir nicht bekannt ist) und daher ist sein Film eher ein Biopic eines Mannes geworden, der sich dem Tod seiner kleinen Tochter nicht stellen kann, aber den eigenen Tod nicht fürchtet. Sehr spannend fand ich die recht realistische Darstellung der aufreibenden Vorbereitungen der ersten Mondmission, die diversen Testflüge in recht klapprig anmutenden (sehr engen) Raumschiffen mit großen technischen Problemen, die mehreren Astronauten das Leben kosteten, bevor Apollo 11 dann auf dem Mond landen und Neil Armstrong als erster Mensch seinen Fuß auf unseren Trabanten setzen konnte. Der Wettlauf im Weltraum mit der Sowjetunion zu Zeiten des Kalten Krieges kommt auch nicht zu kurz. Ein wirklich empfehlenswerter Film, der auch visuell überzeugt. Und ich bin immer noch fasziniert davon, wie es gelingen konnte, im Jahr 1969 mit einer für heutige Verhältnisse vorsintflutartigen Technik auf dem Mond zu landen und vor allem auch wieder von dort wegzukommen. FIRST MAN kommt am 8.11.2018 in deutsche Kinos.

A LAND IMAGINED (Singapur 2018) von Yeo Siew Hua. In diesem Film verschwimmen Realität und Traum zwischen starken Bildern eines dystopischen Singapurs. Yeo Siew Hua, der ein großer Fan des Film Noir ist, wie er im Q&A kundtat, macht es den Zuschauern nicht ganz leicht, das aber vermag durchaus zu faszinieren. Neben den dokumentarischen Elementen der Bauarbeiten zur Landgewinnung des Stadtstaates Singapur, spielt auch die Ausbeutung der Gastarbeiter eine gewichtige Rolle. A LAND IMAGINED erhielt beim Filmfestival in Locarno kürzlich den Hauptpreis und ist für mich eine echte Entdeckung. Ich bin sehr gespannt auf weitere Werke dieses jungen Regisseurs.


VILLE NEUVE (Kanada 2018). Sehr schön animiert und poetisch in Wort und Bild von Félix Dufour-Laperrière, dessen filmisches Essay TRANSATLANTIC mich 2015 beim Filmfest Hamburg schon außerordentlich beeindruckt hat. Man mag sich die Frage stellen, warum die Geschichte eines geschiedenen Paares, das in einem abgelegenen Haus am Meer wieder zueinander findet, verwoben mit dem Referendum zur Unabhängigkeit Québecs im Jahr 1995 in animierter Form erzählt werden muss. Sie muss es sicherlich nicht, aber mich hat gerade diese künstlerische Form dazu gebracht, mir den Film anzusehen. Und ich bereue es keineswegs.

WE THE ANIMALS (USA 2018) von Jeremiah Zagar. Sehr nach meinem Geschmack. Zagar (eigentlich ein renommierter Dokumentarfilmer) hat den poetischen Roman von Justin Torres gekonnt umgesetzt. Es war das zweite Screening des Films beim Filmfest Hamburg im ausverkauften Saal 2 des CinemaxX Dammtor. Der Applaus nach der Vorführung (ohne Gast) zeigt, dass dieses berührende und bildlich toll komponierte Drama um drei Brüder in schwierigen familiären Verhältnissen, das Erinnerungen an Terrence Malicks THE TREE OF LIFE aufkommen lässt, auch anderen Besuchern gefallen hat.

GEGEN DEN STROM von Benedikt Erlingsson, politische Komödie vor der traumhaften Kulisse Islands mit der tollen Darstellerin Halldóra Geirhardsdóttir, die am Donnerstag das Filmfest eröffnete. Ich hatte die Gelegenheit, den Film in seiner zweiten Vorstellung im Passage Kino mit vielen weiteren begeisterten Besuchern anzusehen. Halldóra Geirhardsdóttir spielt eine Umweltaktivistin, die mit gewagten und spektakulären Aktionen ganz allein der lokalen Aluminiumindustrie den Garaus machen möchte.
Da kann ich jetzt wirklich nur alle Filmliebhaber, die GEGEN DEN STROM beim Filmfest Hamburg zweimal verpasst haben, beglückwünschen, dass Pandora Film Verleih ihn am 13.12.2018 in deutsche Kinos bringen wird. Dann aber sollte man Versäumtes unbedingt nachholen. Das ist wirklich ein eindrucksvoller Film. Auf ein informatives und amüsantes Q&A mit Halldóra Geirhardsdóttir wird man allerdings möglicherweise verzichten müssen.

GEGEN DEN STROM wird übrigens für Island ins Oscar-Rennen gehen und wurde beim Filmfest Hamburg mit dem Art Cinema Award des Internationalen Verbands der Filmkunsttheater (C.I.C.A.E.) ausgezeichnet.


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Auch schön bzw. spannend oder interessant:

MALILA: THE FAREWELL FLOWER (Thailand 2017) von Anucha Boonyawatana im ziemlich gut gefüllten kleinen Kinosaal des Abaton. Ein wirklich sehr schöner, fast meditativer Film, der für Thailand ins Oscar-Rennen gehen wird.

THE IMAGE BOOK / LE LIVRE D‘IMAGE (Schweiz 2018), Jean-Luc Godards fragmentarische Momentaufnahme der aktuellen Weltsituation im ausverkauften kleinen Saal des Abaton. Godard ist immer noch Godard, auch wenn seine filmischen Wege heutzutage in eine noch experimentelle Richtung gehen. Wer aber die Kritiken nach der Premiere des filmischen Essays im Mai in Cannes ein wenig verfolgt hat, wusste worauf er sich einließ und das galt wohl für den Großteil der Besucher. Ein wilder Super Cut , ein Gedankenfluss in Bildschnipseln und Worten, nicht wirklich zu fassen, sondern für Interpretationen und reichlich Diskussionen offen. Bevor man sich an diese Arbeit macht, kann man es vielleicht auch so zusammenfassen wie Indie Wire: “Have all the fun you want, because everybody’s doomed anyway.“ 

HOTEL BY THE RIVER (Südkorea 2018), melancholisches Drama mit humorvollen Momenten und sehr schönen Schwarzweißbildern von Hong Sang Soo.

WE, THE DEAD (Malaysia 2017) von Edmund Yeo. Eine junge Frau möchte nach Taiwan, aus Myanmar flüchtete Rohingya scheinen ihr eine gute Gelegenheit zu bieten, als Schlepperin an das nötige Geld dafür zu kommen. Auch wenn der Film das Leid der Rohingya teils vermitteln kann, ist es doch eher ein Film über die Protagonistin Ling und ihr persönliches Leiden, wobei nicht klar wird, warum sie unglücklich ist und unbedingt von Malaysia nach Taiwan auswandern möchte. Die zweite Hälfte des Films dreht sich dann auch nur noch um sie und den jungen Krankenpfleger, der sie auf ihrer Flucht vor den Menschenhändlern, die sie als Verräterin betrachten, begleitet. Eingeschlossen ist eine recht lange Rückblende, in der man diesen Krankenpfleger bei der Arbeit sieht, wo er eine junge Patientin pflegt und von der er beim Treffen mit Ling glaubt, es sei Ling gewesen. So ganz fügt sich diese Rückblende nicht ein und somit bleiben die Teile des Filmes ein wenig unzusammenhängend.

THE PLUTO MOMENT (China 2018) von Zhang Ming über eine Reise von Filmemachern in die chinesische Provinz. Einige sehr humorvolle Momente, allerdings fehlte mir etwas die Tiefe in den Charakteren, die bei ihren Filmaufnahmen für einen Dokumentarfilm auf ungeahnte Hindernisse stoßen und denen auf ihren recht beschwerlichen Wegen Zeit für eine Selbstbesinnung bliebe. Sehr gelungen war jedoch die Szene, in der der Arthouse-Regisseur Zhun sich von einem einfachen Landbewohner sagen lassen muss, es gehe ihm offenbar gut, er sei fett und gut angezogen. Genau das hatte dieser Regisseur dem Regisseur eines Blockbusters zuvor vorgeworfen. Erfreulich auch, dass die wohl interessanteste Figur die Kamerafrau ist, die den Regisseur zwar aufgrund seiner Arbeit als Regisseur bewundert, ihm menschlich jedoch nicht allzu viele Qualitäten zuerkennt.

DOGMAN von Matteo Garrone – ein naiver Hundefriseur in einer italienischen Gesellschaft, die von Armut, Gier nach Geld, Kriminalität und Zerfall geprägt ist. Marcello Fonte spielt den Hundepfleger und Teilzeit-Drogendealer, der die Hunde (auch wenn sie fast größer sind als er selbst und recht böse erscheinen) sämtlich zur Ruhe bringen kann, wirklich großartig, der Preis für den besten Darsteller in Cannes scheint schon sehr gerechtfertigt. Was Marcello bei den Hunden erreicht, will ihm aber so ganz und gar nicht mit dem gewalttätigen Kriminellen Simone gelingen, der den Ort tyrannisiert und dessen Freund Marcello so gern wäre. Ein Film mit Männern und Hunden, Frauen tauchen in DOGMAN lediglich als Prostituierte und Mütter auf. So gebührt dann die schönste Szene auch der Rettung eines Hundes aus einem Gefrierfach.


Nicht ganz überzeugend:

Dominga Sotomayor Castillos TOO LATE TO DIE YOUNG (Chile 2018), für den sie in Locarno als erste Frau den Preis für die beste Regie einstreichen konnte, hat mich persönlich etwas enttäuscht. Zugegeben ein sehr schön fotografiertes Drama mit Bildern, die teils wie Gemälde anmuten, das beeindruckt schon, die Story fand ich persönlich allerdings recht dünn. Mit Coming-Of-Age-Filmen tue ich mich gelegentlich schwer, so auch mit der Story in TOO LATE TO DIE YOUNG, dessen Titel ich auch eher unpassend finde. Eine Gruppe von Außenseitern schafft sich im Sommer 1990 weit entfernt vom städtischen Treiben am Fuße der Anden ein neues Leben. Das klingt eigentlich sehr gut, zumal in chilenischen Zeiten kurz nach dem Ende der Diktatur. Die Tat von Gegnern der Kommune (eine absichtlich blockierte Wasserleitung) wird jedoch nicht näher verfolgt, stattdessen widmet sich die Regisseurin und Drehbuchautorin dem jungen Mädchen Sofia, die bei ihrem Vater in der Kommune lebt und gerne zu ihrer Mutter nach New York gehen würde. Die Mutter scheint daran dummerweise kein Interesse zu haben und so hängt sich Sofia an einen Mann, der mindestens doppelt so alt ist wie sie und der nur sexuelles Interesse an ihr hat. Den Jungen Luca, der in sie verliebt ist, weist sie hingegen zurück. Dominga Sotomayor Castillo ist selbst in einer Kommune aufgewachsen und diese Geschichte ist möglicherweise ein bisschen auch ihre Geschichte. Geschmäcker und Interessen sind verschieden, mich hat dieses Werk nicht so ganz angesprochen.


Mir ist bewusst, dass ich beim Filmfest Hamburg 2018 tolle Filme gesehen habe (mehr als sechzehn konnten es neben der Berufstätigkeit leider kaum werden), mir ist jedoch auch bewusst, dass ich diverse tolle Filme verpasst habe, beispielsweise fast alle mit Preisen ausgezeichneten Produktionen (alle Infos dazu gibt es hier), nämlich:

SIBEL (Hamburger Produzentenpreis für Europäische Kino-Koproduktionen)
DAS SCHÖNSTE PAAR (Hamburger Produzentenpreis für deutsche Kinoproduktionen)
AUFBRUCH IN DIE FREIHEIT (Hamburger Produzentenpreis für deutsche Fernsehproduktionen)
UNSERE KÄMPFE (Preis der Filmkritik)  
LITTLE TICKLES (NDR-Nachwuchspreis)  
ON HER SHOULDERS  (Der Politische Film der Friedrich-Ebert-Stiftung) 
AMIN (Sichtwechsel Filmpreis)
SOLSIDAN (Commerzbank-Publikumspreis im Rahmen der Sektion »Eurovisuell«)
SUPA MODO (MICHEL Filmpreis)
DREI GESICHTER (Iran 2018, der im Rahmen der Verleihung des Douglas-Sirk-Preises an Jafar Panahi gezeigt wurde).

Auch auf TRAUTMANN habe ich zugunsten von LETO verzichten müssen, konnte allerdings zumindest bei KLAPPE AUF (Talk-Reihe des BFFS) Marcus H. Rosenmüller, Regisseur und Drehbuchautor des Films, im Gespräch mit Sebastian Faust erleben.


Ebenfalls durch das Setzen von Prioritäten verloren gegangen:

MONROVIA, INDIANA (USA 2018), der neue Dokumentarfilm von Frederick Wiseman. 
DER TRAFIKANT von Nikolaus Leytner (Österreich 2018) 
THE WILD PEAR TREE (Türkei 2018) von Nuri Bilge Ceylan. 
NUR EIN KLEINER GEFALLEN von Paul Feig (USA 2017). 
THE FAVOURITE (GB 2018) von Yorgos Lanthimos. 

Und viele mehr ….  

Vielen Dank für das erneut wundervolle Filmfest Hamburg 2018 ! Ich freue mich auf die Ausgabe 2019, die vom 26.9. bis zum 5.10. steigen wird!


Freitag, 21. September 2018

Tipps für das Filmfest Hamburg 2018

Der Vorverkauf für das Filmfest Hamburg 2018 hat begonnen! Karten erhält man sowohl online über die Webseite als auch in den teilnehmenden Kinos METROPOLIS, Passage, Studio, Abaton und CinemaxX Dammtor sowie im Levantehaus.

Nur online gibt es die Möglichkeit insgesamt 15 Karten zum Preis von 100 € (15er-Online-Spezial) bzw. 10 zum Preis von 70 € (10er-Online-Spezial) zu erwerben. Das Verfahren ist ein wenig umständlich, aber mit ein wenig Geduld kommt man schon an Tickets für seine Wunschfilme. Da das Programm wirklich toll ausschaut, lohnt es unbedingt, mehrfach zuzuschlagen.

 

Das Filmfest Hamburg läuft vom 27.9. bis zum 6.10.

Der Douglas-Sirk-Preis wird in diesem Jahr an den iranischen Regisseur Jafar Panahi verliehen. Die Veranstaltung findet am 4.10. (19.30) statt. 


Meine Tipps (der Klick auf den Filmtitel führt zu weiteren Infos auf der Webseite des Filmfests)

DOGMAN von Matteo Garrone (Italien 2018). Der leise Thriller um einen Hundepfleger in einem heruntergekommenen italienischen Seebad, der nach einer nicht begangenen Tat zu einer Haftstrafe verurteilt und später aus der Dorfgemeinschaft ausgeschlossen wird, feierte im Mai seine Premiere in Cannes und erhielt höchstes Kritikerlob. Hauptdarsteller Marcello Fonte erhielt in Cannes den Preis für den besten Darsteller.   

WE THE ANIMALS von Jeremiah Zagar nach einem Roman von Justin Torres (USA 2018). Die Geschichte dreier Brüder, die in recht schwierigen familiären Verhältnissen aufwachsen. Während die beiden Älteren sich arrangieren, flüchtet sich der Jüngste in seine eigene Fantasiewelt. Die Washington Post spricht von einem Must-See. Mindestens Fans von Terrence Malick werden an diesem poetischen Film ihre Freude haben.  

SIBEL von Çağla Zencirci und Guillaume Giovanetti (Türkei 2018). Die in ihrem Heimatdorf in der Nähe des Schwarzen Meeres lebende stumme Sibel wird von der Dorfgemeinschaft geächtet. Erst die Begegnung mit einem anderen Außenseiter gibt ihr Selbstvertrauen. Ein atmosphärisch dichter Film in malerischer Kulisse.   

GEGEN DEN STROM, Komödie vor der traumhaften Kulisse Islands von Benedikt Erlingsson, der das Filmfest am 27.9. eröffnet (Karten gibt es jedoch nur für die zweite Vorstellung am 29.9. zu erwerben). 

TOO LATE TO DIE YOUNG von Dominga Sotomayor Castillo (Chile 2018). Eine Gruppe von Außenseitern schafft sich im Sommer 1990 weit entfernt vom städtischen Treiben am Fuße der Anden ein neues Leben  Dominga Sotomayor Castillo gewann für ihren sensiblen Film in Locarno als erste Frau den Preis für die beste Regie.  

THE FAVOURITE (GB 2018). Yorgos Lanthimos porträtiert in diesem Historienfilm die englische Königin Anne, die eine heimliche Liebesbeziehung zu ihrer Vertrauten Sarah hat, bis Ungemach von ihrer Cousine Abigail droht. Starke Frauen gespielt von so starken Darstellerinnen wie Olivia Colman, Rachel Weisz und Emma Stone.  

DAS SCHÖNSTE PAAR (D 2018). Sven Taddickens sensibles Drama über ein Paar, das mit dem Trauma einer Vergewaltigung umzugehen versucht, wurde in Toronto beim Filmfestival vom Publikum gefeiert.  

NUR EIN KLEINER GEFALLEN von Paul Feig (USA 2017), ein Mystery-Thriller mit Comedy-Elementen, in dem eine alleinerziehende Mutter sich nach dem Verschwinden einer Freundin auf Nachforschungen begibt.  

SHÉHÉRAZADE von Jean-Bernard Marlin (Frankreich 2018), eine Liebesgeschichte vor dem Hintergrund des Gangsterlebens im ärmsten Stadtviertel der französischen Hafenstadt Marseille.

THE WILD PEAR TREE (Türkei 2018). Der türkische Regisseur und Drehbuchautor Nuri Bilge Ceylan ist ein Meister langer Einstellungen und durchdacht arrangierter Bildkompositionen (auch in seinem neuen Film). Bereits dreimal wurde er in Cannes ausgezeichnet, u.a. im Jahr 2014 mit der Goldenen Palme für seinen Film WINTERSCHLAF. 

DER TRAFIKANT von Nikolaus Leytner (Österreich 2018), Verfilmung des 2012 erschienenen Romans von Robert Seethaler. Der Film spielt in den Jahren 1937/38. Simon Morzé spielt den jungen Lehrling Franz Huchel, der das Leben und die Liebe im Wien zu Zeiten der dramatischen politischen Ereignisse kennen lernt. Bruno Ganz ist als Sigmund Freud zu bewundern.  

ROMA von Alfonso Cuarón (Mexiko 2018). 2013 erhielt Cuarón für seinen Science-Fiction-Thriller GRAVITY jeweils den Oscar für den Besten Film und die Beste Regie. Auch Harry-Potter-Fans dürfte er bekannt sein, denn er inszenierte HARRY POTTER UND DER GEFANGENE VON ASKABAN. Sein neuer Film ROMA feierte am 30.8.2018 in Venedig seine Premiere und wurde dort auch mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet. Das autobiographisch geprägte Drama erzählt die Geschichte einer mexikanischen Familie in den 1970er Jahren, als die paramilitärische Gruppe Los Halcones während Studentenprotesten dutzende Studenten tötete (Massaker von Corpus Christi).  

TRAUTMANN von Marcus H. Rosenmüller (Deutschland 2018) ist die Geschichte der Torhüter-Legende Bernd Trautmann (gespielt von David Kross), der nach einer Kriegsgefangenschaft in einem britischen Lager beschloss, in England zu bleiben. Dort wurde er später als Torhüter von Manchester City weltberühmt. 

LETO von Kirill Serebrennikow (Russland 2018) erzählt von der russischen Rockszene in den 1980er Jahren. Der Film wurde im Mai in Cannes uraufgeführt, jedoch ohne den Regisseur, den der stand unter Hausarrest. Möglicherweise geht es in seinem Film zu viel um die Liebe zur Freiheit, wenn die Band Zoopark und der in Russland bis heute bekannte Musiker Wiktor Zoi ihre Sehnsüchte musikalisch zum Ausdruck bringen und damit vielen jungen Menschen in der Sowjetunion aus dem Herzen sprachen. Die T-Shirts mit dem Aufdruck „Free Kyrill“, die in Cannes von vielen Filmschaffenden getragen wurden, können leider noch nicht eingemottet werden - Kirill Serebrennikow steht weiterhin unter Hausarrest und ihm drohen bis zu zehn Jahre Haft.  

AUFBRUCH ZUM MOND von Damien Chazelle, mit Ryan Gosling als Neil Armstrong (USA 2018). Neil Armstrong, der erste Mensch auf dem Mond, dürfte fast jedem bekannt sein. Auch Schauspieler Ryan Gosling, der Armstrong in AUFBRUCH ZUM MOND verkörpert, hat mittlerweile einen ähnlichen Bekanntheitsgrad erreicht. Das mag dem Regisseur Damien Chazelle noch nicht ganz gelungen sein, wenngleich er durch seinen Film LA LA LAND einen Oscar für die Beste Regie erhielt. Mir persönlich gefiel sein Film WHIPLASH, den ich 2014 beim Filmfest Hamburg sehen konnte, ja viel besser. Mit AUFBRUCH ZUM MOND soll ihm jedoch eine spannende und realistische Darstellung der aufreibenden Vorbereitungen der ersten Mondmission gelungen sein, die wohl ihren Höhepunkt im Betreten des Mondes finden wird. Auch wenn Chazelle den Moment, in dem Armstrong die amerikanische Flagge auf dem Mond platzierte, ausgespart haben soll, so kann man den ersten Schritten auf unserem Trabanten im Kinosaal sicherlich entgegenfiebern.   


Wer’s ein wenig klein, aber fein mag (wie ich):

HAPPY LAMENTO (Deutschland 2018), ein Musikfilm ganz besonderer Art von der deutschen Regielegende Alexander Kluge in Zusammenarbeit mit dem philippinischen Regisseur Khavn De La Cruz, in dem der Elvis-Song BLUE MOON ebenso eine Rolle spielt wie die Vorbereitungen des Trump-Besuchs beim G20-Gipfel in Hamburg, Bandenkämpfe in Manila, Helge Schneider, Heiner Müller und noch so manche andere zirkusreife Absurditäten. 

A LAND IMAGINED (Singapur 2018) von Yeo Siew Hua. Singapur als dystopisches, kapitalistisches Nirvana, in dem sich zwei Polizisten auf die Suche nach einem vermissten chinesischen Gastarbeiter machen, der eigentlich von niemandem vermisst wird. Kritiker bescheinigen dem Film eine atmosphärische Nähe zu Ridley Scotts Blade Runner und David Lynch. Das klingt eigentlich sehr vielversprechend. Im August erhielt A LAND IMAGINED in Locarno recht überraschend den Hauptpreis. Man darf gespannt sein.    

THE IMAGE BOOK (Schweiz 2018), Jean-Luc Godards Momentaufnahme der aktuellen Weltsituation. Es geht um die arabische Welt, die Frauen und die Umwelt, zusammengetragen (bei Godard trifft es wohl besser der Ausdruck „komponiert“) in Found Footage Sequenzen, bei denen der Altmeister sich überlagernde Tonspuren und digital verzerrte Bilder einsetzt. Der Altmeister ist auch technisch topaktuell.     

MONROVIA, INDIANA (USA 2018), der neue Dokumentarfilm von Frederick Wiseman, die Studie einer Kleinstadt im Mittleren Westen der USA. Wiseman zeigt das Amerika des weißen Mannes im Trump-Land ohne den Zeigefinger zu erheben, er beobachtet und lässt sprechen. Ein echter Wiseman, so wie man ihn schätzt.  

VILLE NEUVE, ein poetischer, animierter Film aus Kanada von Félix Dufour-Laperrière mit starken Bildern, die ausschließlich mit der Hand und schwarzer Tusche auf Papier entstanden sind. Es ist die Geschichte eines Paares, das sich wegen der Alkoholsucht des Mannes getrennt hat, aber nach dessen Läuterung einen neuen Versuch wagt. Ich bin sehr gespannt auf diesen Film. 2015 hat mich Dufour-Laperrières Essayfilm TRANSATLANTIC beim Filmfest Hamburg ziemlich begeistert.  

DAS GEHEIMNIS IM WARSCHAUER GHETTO (USA 2018), Dokumentarfilm von Roberta Grossmann über den Historiker, Politiker und Publizisten Emanuel Ringelblum, der im Warschauer Ghetto das geheime Archiv Oneg Schabatt aufbaute und leitete.  

HOTEL BY THE RIVER (Südkorea 2018), melancholisches Drama von Hong Sang Soo gedreht in wunderschönem Schwarzweiß. 2017 wurde sein Vorgängerfilm AT THE BEACH AT NIGHT ALONE bei der Berlinale mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet, Kl Joobong (in seiner Rolle als alternder Dichter) wurde kürzlich in Locarno für sein Schauspiel in Hongs neuestem Werk HOTEL BY THE RIVER mit dem Goldenen Leoparden ausgezeichnet. 

MALILA: THE FAREWELL FLOWER von Anucha Boonyawatana (Thailand 2017), beschrieben als eine atemberaubende Meditation über das Leben, das Sterben und die Erinnerung.  

WE, THE DEAD (Malaysia 2017) von Edmund Yeo. Eine junge Frau möchte nach Taiwan, aus Myanmar flüchtete Rohingya scheinen ihr eine gute Gelegenheit zu bieten, als Schlepperin an das nötige Geld dafür zu kommen. Doch das Elend der Flüchtlinge an der thailändisch-malayischen Grenze lässt sie nicht so kalt, wie sie sich es gewünscht hätte. Edmund Yeo zeigt in seinem Drama die Komplizenschaft Malaysias beim Exodus an den Rohingya auf.  
  
THE PLUTO MOMENT (China 2018) von Zhang Ming über eine Reise von Filmemachern in die chinesische Provinz, in der sie auf allerlei Schwierigkeiten stoßen.  

Meine erste Wahl mal zwei:

BUENOS AIRES AL PACIFICO (Argentinien 2018) von Mariano Donoso. Ein Filmessay, in dem die Geschichte der titelgebenden Bahngesellschaft wie in einem Traum aufgearbeitet wird.   

THE IMAGE YOU MISSED (Irland 2018), sehr persönlicher Essayfilm von Dónal Foreman, in dem er das Erbe seines Vaters, des Dokumentarfilmers Arthur MacCaig, aber auch seine niemals wirklich vorhandene Beziehung zu ihm, aufarbeitet. Doch der Film ist mehr als ein filmischer Dialog zwischen Vater und Sohn, er erinnert auch an den Nordirlandkonflikt und die IRA. Die Irish Times hat sich sehr ausführlich mit THE IMAGE YOU MISSED auseinandergesetzt. 

(Regina Nickelsen für das Filmteam Colón)

Mittwoch, 19. September 2018

Mein (kleiner) persönlicher Rückblick auf das 25. Internationale Filmfest Oldenburg


Leider war es mir nicht möglich, vor Freitagabend anzureisen, so wurden es nur sieben Filme + vier Kurzfilme (drei bei den Sunday Shorts), die ich ansehen konnte. Bunt gemischt war meine Auswahl, wie auch das toll kuratierte Programm in Oldenburg stets bunt gemischt und international ausgerichtet ist, sich indes niemals dem Mainstream anbiedert. Das jedoch bedeutet keineswegs, dass die gezeigten Filme schwer zugänglich wären, einige mögen es sein (wie im Programm nahezu aller Filmfestivals), aber auch für Gelegenheitskinobesucher lässt sich so manche Perle des Arthouse- oder Independent-Kinos entdecken. Die insgesamt 15.500 Besucher in den Festivalkinos, der Kongresshalle der Weser Ems Hallen, dem Oldenburgischen Staatstheater und den weltweit einzigartigen JVA-Vorführungen verdeutlichen, dass das Konzept aufgeht. Zahlreiche internationale Premieren, Deutschland- und auch Weltpremieren unterstreichen die Bedeutung, die das Internationale Filmfest Oldenburg in den 25 Jahren seines Bestehens erlangt hat. Und es werden dort einfach starke Filme gezeigt!


Mein persönliches Programm

(Beim Klick auf die Filmtitel gelangt man zu weiteren Infos auf der Webseite des Filmfests.)

Mein Einstieg am späten Freitagabend in der von mir leicht favorisierten Reihe Midnite Xpress war Genre made in Germany, leider immer noch viel zu selten im Deutschen Kino; in diesem Fall, LUZ von Tilman Singer, jedoch durchaus gelungen, wenngleich viele Fragen offen bleiben, was aber nicht unbedingt ein Manko sein muss. LUZ ist Singers Abschlussfilm an der KHM Köln und ein recht unblutiger Horrorfilm zwischen Hypnose, Trance, Drogen- und Alkoholrausch, Vergangenheit und Gegenwart und Luzifer als Taxifahrerin.

TEMPORARY DIFFICULTIES von Mikhail Raskhodnikov (Russland 2018) bildete meinen Start in den Kino-Samstag. Die (wahre) Geschichte des russischen Unternehmensberaters Sasha Korolev, der aufgrund von Sauerstoffmangels während der Geburt mit einer Behinderung zur Welt kommt und von seinem Vater immer wieder zu Leistung und Selbstständigkeit getrieben wird. Großartige Darsteller, eine bewegende Story und gleichzeitig ein Porträt Russlands, das sich müht, sich von der Last der sozialistischen Vergangenheit zu befreien, TEMPORARY DIFFICULTIES hat nicht nur mir außerordentlich gut gefallen.

Das Drama konnte viele Besucher begeistern und wurde verdient mit dem German Independence Award ausgezeichnet. Regisseur Mikhail Raskhodnikov erzählte beim Q&A, er habe eigentlich einen Film über die Erfolgsgeschichte des Sasha Korolev machen wollen, dann sei aber mehr und mehr dessen schwierige Kindheit unter einem strengen Vater in den Mittelpunkt gerückt. Die Anmerkung des Regisseurs, dass doch auch der Vater durch seine unnachgiebige Erziehung mitverantwortlich für den großen beruflichen Erfolg Korolevs sei, die er trotz seiner Behinderung habe erringen können, habe dieser zunächst vehement zurückgewiesen. Dann aber sei ihm bewusst geworden, dass genau diese Erziehung ihn zu seinen Leistungen befähigt habe. Vater und Sohn haben sich dann auch wieder versöhnt. Ein Film, der nicht nur die Zuschauer, sondern offenbar auch den Titelhelden bewegt hat.   

O BARCO  (THE BOAT) von Petrus Cariry (Brasilien 2018), mystisch und allegorisch, bildgewaltig und poetisch – ein Film, der für die große Kinoleinwand geschaffen ist und dessen Bilder einem in einen fast rauschhaften Zustand den Kinosaal verlassen lassen. Auch dieser Film gibt wie LUZ Rätsel auf und er setzt sich weiterhin in meinem Kopf fort. Es ist beeindruckend, was dieses Werk mit einem anstellen kann, wenn man sich denn darauf einlässt.

ALL SQUARE von John Hyams (USA 2018), der mit diesem Film beweist, dass er viel mehr als nur Actionfilme beherrscht. ALL SQUARE erzählt die Geschichte des Buchmachers John (Michael Kelly), der nach vielen Pechsträhnen mit Wetten auf Baseballspiele in der Jugendliga Morgenluft wittert, dann jedoch erkennen muss, dass er damit nicht bei jedem auf Gefallen stößt.  

MANDY, dieser abgefahrene Action-Horrorthriller von Panos Cosmatos (USA 2018) hat schon jetzt Kultstatus erreicht. Nicolas Cage spielt den Holzfäller Red Miller, dessen Lebensgefährtin Mandy von einer ziemlich irren Sekte entführt und später bei lebendigem Leib vor seinen Augen verbrannt wird. Was anderes als eine blutige Rache könnte jetzt folgen? Und sie folgt u.a. in Form eines Kettensägen-Duells. Technisch hat der Film einen stylischen 80er-Look erhalten und auch inhaltlich fühlt man sich (nicht ungern) in die filmische Vergangenheit zurückversetzt. MANDY war auch Eröffnungsfilm des diesjährigen Fantasy-Filmfests und wird in dessen Rahmen am 24.9. (20.30) nochmals im Savoy Kino Hamburg zu sehen sein.
  
FIRST REFORMED von Paul Schrader (USA 2017). Der anwesende Produzent Frank Murray berichtete dem Publikum beim Q&A davon, dass sich Schrader und Scorsese einmal darüber ausgetauscht hätten, mit was für einem Film sie abtreten möchten. Schrader hat dieses Gespräch offenbar dazu bewogen, mit FIRST REFORMED einen theologischen und eher leisen und sensibleren Film, der sich um die Themen Sünde, Glaube, Hoffnung und Verzweiflung dreht, in Angriff zu nehmen. Ethan Hawke brilliert in der Rolle eines Priesters, der ob des nicht aufzuhaltenden Endes unseres Planeten durch den Klimawandel seinen Glauben zu verlieren droht. Ein gekonntes, starkes Spätwerk mit einem offenen Ende, das Pessimisten (Realisten?) anders interpretieren mögen als Optimisten, die die Menschheit noch nicht aufgegeben haben.

Frank Murray
VULTURES von Börkur Sigþórsson (Island 2018), ein spannender Thriller, der das neue Traumland vieler Europäer von einer anderen sehr düsteren Seite zeigt. Es geht um skrupellose Drogenschmuggler, denen ihre jungen weiblichen Kuriere nichts wert sind und deren Moral sich allerhöchstens auf ihre eigenen Gefühle beim Verlust des schon eingeplanten Millionenertrages bezieht. VULTURES läuft wie MANDY beim Fantasy Filmfest (21.9., 14.00) im Savoy Kino Hamburg. Sehr empfehlenswert!  
Vier sehr sehenswerte Kurzfilme

JIEJIE von Feng-I Fiona Roan (USA/China 2017)

SINGLE PLAYER von Róbert Odegnál (Ungarn 2017)

THIS MAGNIFICENT CAKE! von Marc James Roels, Emma de Swaef (Belgien/Frankreich/Niederlande 2018)

UNNATURAL von Amy Wang (USA 2017)

Für Filmemacher aus aller Welt, die sich austauschen möchten, fand in diesem Jahr im Rahmen des Filmfest Oldenburg zum dritten Mal die Matchbox Coproduction Lounge statt. Die eintägige Veranstaltung hat sich zum Ziel gesetzt, Filmemacher und Branchenvertreter zusammenzubringen und einen Austausch über neue Projekte zu ermöglichen. Renommierte und aufstrebende Filmemacher stellten dort ihre neuen Projekte vor.

Jim Stark
Im Rahmen der Matchbox Coproduction Lounge fand zudem ein öffentliches Panel über die Produktion von Low-Budget-Filmen mit dem Produzenten Jim Stark (NIGHT ON EARTH, DOWN BY LAW) statt, der den Hauptdarsteller seines neuen und in Oldenburg gezeigten Films ADAM, Magnús Mariuson, mitgebracht hatte und von den Schwierigkeiten, aber auch Wegen, Filmproduktionen zu realisieren und in die Öffentlichkeit, beispielsweise auf Filmfestivals, zu bringen, berichtete. Von öffentlich zugänglichen Veranstaltungen dieser Art wünschte ich mir während Filmfestivals viel mehr. Danke ans Filmfest Oldenburg für diese spannende Veranstaltung und das tolle Filmprogramm!

Magnús Mariuson
(Regina Nickelsen, Filmteam Colón)